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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Schöne Steine

Es lebt sich nicht immer angenehm hinterm Rande der Stadt. Schließlich gibt es kein Sankt Oberholz, keine veganen Burger, keine James-Blake-Remixe und niemanden, der sich für Äußerlichkeiten interessiert – leider! Ich schreibe aus Erfahrung, und mein von Hochglanzmagazinen geprägtes Landlebenbild wird hier nun minütlich korrigiert.

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Manchmal ist es sogar richtig schlimm ohne bratzige Berliner und Tanzbars, aber verdammt, es erdet einen so sehr! Und was könnte einem noch besser bei der Erdung behilflich sein als … Steine? Nee, nicht das Gebamsel von Swarovski. Coole Steinanbieter heißen „Steinzeit“, „Steinwelt“ oder „Outdoorkeramik“. Dort gibt es den heißen Scheiß für hippe Häuslebauer, ergab die Internetrecherche, bevor ich mich auf Shoppingtour in einer 30-Quadratmeter-Pfütze zwischen Bergen unterschiedlichsten Gerölls im Outdoorbereich eines Steinfachhandels wiederfand. Und natürlich durften es nicht irgendwelche Steine sein. Für unser Haus sollten es schon die aufsehenerregendsten Steine Brandenburgs, besser noch ganz Europas sein, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Leider gibt es zirka 37.000 verschie­-dene Sorten: sandgestrahlt, gespritzt, getrommelt, geflammt, gebürstet, bossiert, in Porto-Roriz-Blau oder Grauwacke, und die Beratung vor Ort verlief ein bisschen wortkarg. Verkäufer: „Die hier sind jut, aber zu teuer.
Die da zersplittern zu schnell“ (schmeißt zur Veranschaulichung
einen Stein auf den Boden, Stein zerbricht nicht). Das war, kurz bevor Regen einsetzte und alle Sorten plötzlich denselben unerfreulichen Farbton „Schlamm“ annahmen.
Dabei brauchen wir die Steine doch
so dringend! Weil Katzen aus der Umgebung den Bausand ums Haus herum als Katzenklo erspäht haben
und ihn täglich aufs Neue mauzend
und grabend und mit hochätzenden Körperflüssigkeiten malträtieren, sodass sich der Sockel samt Haus aufzulösen droht, wenn wir ihn
nicht endlich mit Steinen absichern – aber finden Sie mal die Schönsten!
Immerhin, ein einzelner fiel mir auf: „Klaus, guck dir den an, das ist ja ein Wahnsinnsding!“ Frage an den Verkäufer: „Der ist bestimmt teuer, oder?“ Verkäufer: „Schnäppchen. 70 Euro die Tonne“ – Zum Mann: „Wir könnten uns den doch zum Hochzeitsjubiläum schenken und jedes Jahrzehnt einen noch größeren. Wie bekommt man den eigentlich in den Garten,  per Kran?…“ Der Partner steht im Zentrum der Pfütze und schweigt.  Worüber er wohl gerade nachdenkt? Vermutlich darüber, dass einen das Landleben unheimlich erdet.

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