• Kultur
  • Jackie A. entdeckt… Smartphone des Todes

Kolumne

Jackie A. entdeckt… Smartphone des Todes

Nächste Woche ist Halloween, es steht unter einem ganz besonderen Stern beziehungsweise Kleinplaneten. Dafür sorgt der sogenannte „Totenkopf“-Asteroid, der dem menschlichen Schädel ähneln soll und eine Woche nach dem 31. Oktober so nah wie selten die Erde passiert. Nicht nur wegen dieser mäßig witzigen Weltraum-Deko rate ich Halloween-Kritikern, diesem Event auch mal eine Chance zu geben. Hardcore-Inspiration findet sich bei mir im Umland, wo Halloween längst eine Riesennummer ist. Denn wenn es sonst nicht viel gibt: Kürbisse liegen in Brandenburg rum wie leere Bier-Flaschen am S-Bahnhof Warschauer Straße. Man muss ja nur noch zugreifen (Komposthaufen, Gartenbeet, Acker).

Und so passiert jeden Oktober das tragisch Magische und der Brandenburger entdeckt seinen Hang zur Kunst. Die in Vorgärten veröffentlichten Ergebnisse entfesselter Kürbis-Schnitzereien haben mich anfangs noch verunsichert und Ortsfremde könnten beim Anblick schwere Traumata davontragen. Daher die Warnung vor dem „erotischen Kürbisgirl“, dem Porträt-Kürbis „Albert Einstein“, dem tätowiert anmutenden „Body-Art“-Kürbis sowie dem „Message-Kürbis“ mit Binsenweisheit. Brandenburger Kürbiskunst breitet sich jedes Jahr epidemieartig aus. Und mich hat es letzte Woche zum ersten Mal auch erwischt. Mir und meinem Kürbis geht es den Umständen entsprechend. Er übergibt sich vorm Hauseingang mit billiger Tomatensauce voller „E“-Zusätze, was ich als Kürbis-Art-Newcomerin schon ziemlich spektakulär finde. Ein über den Gartenzaun genuschelter Kommentar des Nachbarsjungen dazu lautete: „Langweilig.“ Dann soll er’s doch bitte besser machen!

Aber alles, was er tun wird – denn da habe ich bereits Erfahrung mit – ist, am 31. kunstblutverschmiert nach Süßem zu brüllen. Aber keine Bonbons, die durfte ich letztes Jahr alle behalten, ausschließlich die exklusiven Nuss-Nugat-Riegel sollen’s sein: First-World-Halloween-Ansprüche! Und die hören bei den Kostümen nicht auf, denn „Totenkopf“ – siehe Asteroid – kann ja jeder. Und so wird sich hier Tage vorher getroffen und neben überdimensionalen Karton-Verschalungen („Smartphone des Todes“) entstehen Zombie-Masken mit Augäpfeln, die auf Knopfdruck ihre Höhlen verlassen. Bald schon werden in Brandenburg die Tonnen brennen, um die sich müde Eltern versammeln und Schnapsflaschen kreisen lassen, während der Nachwuchs die Nachbarschaft malträtiert – mein Oktober-Highlight! Und es könnte auch Ihres werden, der Totenkopf-Asteroid fliegt ja günstig.

Mehr über Cookies erfahren