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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Spionagekunde

Unser erster Spionageversuch war das reinste Desaster. „Achtung, er kommt!“, rief mein Mann, als wir durchs Unterholz schlichen. „Was machen wir jetzt?“, fragte ich in einem Anflug von Panik. „Zurück, zurück!“, zischte er

Vielleicht kennen Sie ja diese Gangart, wenn ein Mensch sich ertappt fühlt und möglichst unauffällig dem Ort der Pein entkommen möchte. So verließen wir eilig flanierend das Gebiet, hinter uns der Eigentümer, der sich als Punkt aus der Ferne näherte. 200 Meter weiter riskierte ich einen Blick zurück. Der Punkt war noch da, und morgen werde ich ihn auf der Landstraße grüßen, so als ob nichts gewesen wäre. Und alles nur wegen der Bäume, die da hinter unserem Haus gefällt wurden. Alarmiert wegen des schwindenden Waldes schlichen wir uns auf privates Gelände. Dass unsere Spionageaktion so jämmerlich floppte, kann nur daran liegen, dass wir noch neu im Dorf sind, denn in Sachen Überwachung kann hier selbst Google noch was lernen.

Da enttäuscht es schon, das Deutschlands einziges Spionagemuseum nicht mal eine winzige Zweigstelle in unserem Dorf hat. Immerhin befindet sich die Zentrale in Berlin und ich habe sie, sozusagen als Fortbildungsmaßnahme, besucht. Die Eindrücke waren brisant und hoch­aktuell, und am Ende nahm ich diesen frischen, paranoiden Blick auf meine Umwelt mit. Noch im Museumscafé wurde ich der Tresenkraft gegenüber misstrauisch, als sie freundlich-verschnattert fragte, aus welcher Stadt ich käme. Und später zu Hause, als ich bei Instagram unter meinen Fotos einen lustigen Kommentar vom Spionagemuseum über die Sicherheit meines Passworts entdeckte, da hatte das sofort ein Geschmäckle. Aus Umland-Perspektive fand ich die Anregungen zum Einsatz von Haus­tieren spannend, wie das Projekt „Acoustic Kitty“, in dem eine Katze verwanzt wurde, um sich an Staats­führer heranzuschleichen, oder ganze Bienenvölker, die auf Erschnüffelung abgerichtet wurden – ich glaube nicht, dass ich jemals wieder einer Biene, die sich meinem Marmeladenbrot nähert, trauen werde. Überhaupt scheint die Spionage der Menschheit ein echtes Anliegen zu sein. Und während wir lauthals den Schutz der eigenen Privatsphäre fordern, nehmen wir es beim Nachbarn schon nicht mehr so genau.

Die neueste Überwachungstechnologie wirkt dann auch ziemlich alt gegen unsere Frau R., wenn sie gefühlte 24 Stunden hinter der Küchengardine wacht, ob die Nachbarin Frau M. – wie die wieder rumläuft! – recht­zeitig die Mülltonne rausstellt.
Und bevor Sie jetzt ein Loblied auf die Anonymität des Großstadtlebens anstimmen, sollten Sie dringend im Spionagemuseum die Fakten auf­stocken oder die Ausstellungen „Watching You – Watching me + Das Feld hat Augen, der Wald Ohren“ besuchen. Ich verspreche Ihnen einen spannenden Einblick!

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