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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Trumposaurus Rex

Um beim vierjährigen Neffen Eindruck zu schinden, entschied ich mich für ein Geschenk wie einen Donald-Trump-Auftritt: laut, aggressiv und furchteinflößend

Kolumne von Jackie A. in tip 07/2017

Im Geschäft stach mir dieser fernsteuerbare T-Rex ins Auge, mit pädagogisch wertvollen Features wie einem Knopf am Bauch für schreckliches Gebrüll und blinkende Augen. Die kurze Internetrecherche erbrachte nur Lob: „Der Dino-Angriff ist mit dieser Figur sehr gut zu imitieren und findet nun täglich im Kinderzimmer statt.“ Das Gerät wurde also eingepackt und zur Verwandtschaft nach Westdeutschland verbracht. Ich muss dazu sagen, dass die Familie in ihrem Leben gerne Bio- und ökologische Schwerpunkte setzt, in Form von Holzspielzeug beispielsweise, sodass der T-Rex jetzt vielleicht nicht das optimale Gastgeschenk darstellte. Und doch kam er wahnsinnig gut an! Zumindest beim Neffen. Der klatschte vor Begeisterung, als das Ding begann, mechanisch durchs Wohnzimmer zu stampfen. Die Gespräche an der Kaffeetafel wurden dann alle acht Sekunden durch laute T-Rex-Angriffsschreie unterbrochen. Nach zwei Stunden und einem Kurzschluss in der Dinosaurier-Elektronik – das Spielzeug ließ sich nicht mehr abschalten – lagen die Nerven blank. Der Neffe wollte partout nicht mehr ablassen von seinem Trumposaurus. So vergingen weitere drei Stunden voller Saurier-Gebrüll. „Hach, das ist ja eine hübsche Kette, ist die neu?“ – „Roaarrh!“ – „Die Politik von Frau Merkel richtet noch unser Land zu Grunde.“ – „Roaarrh!“ – „Noch ein Stück Kuchen?“ – „Roaarrh!“ Später am Abend beim All-you-can-eat-Chinesen verschmolzen dann Sound und Optik des Sauriers auf brisante Art mit der Restaurant-Dekoration, und ich fühlte mich wie in einem dieser asiatischen Trash-Monster-Filme. Eine Verwandte ermahnte den Neffen: „Aber wenn die kleine Pia kommt, musst du das ausschalten, sie bekommt ja sonst Angst!“ Natürlich blieb das Ding an und der zweijährigen Pia wurde erklärt, dass sie sich nicht fürchten müsse. Dinosaurier seien ausgestorben, woraufhin sie schluchzend anmerkte: „Ich weiß. Und nur dieser hier hat überlebt.“ Als dann der Neffe bei einer spontanen Dino-Kampf-Performance das Gleichgewicht verlor und mit dem Kopf auf den Tisch aufschlug, schritt eine anwesende Ärztin ein. „Keine Schäden“, befand sie und auf leise Erleichterungsseufzer folgte bekanntes Gebrüll. Zurück in Berlin erhielten wir am nächsten Tag eine SMS von der Mutter. Der Dinosaurier krakele seit sieben Uhr in der Frühe. Da habe ich gedacht: Vielleicht ist kein Geschenk das Allerschönste, was man mitbringen kann.

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