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Jackie A. entdeckt… Antwort an den Hurensohn

Jackie A. entdeckt... Antwort an den Hurensohn

2016, du Hurensohn! Hagelschauer statt Purple Rain im Berliner Mai  – formerly known as Berliner Frühling. Lemmy, Bowie, Prince mit einem Schlag weg, der Kotti, einst Zentrum legendärer Partynächte, wird als No-Go-Area verschrieen, Rechtspopulisten räumen Wahlsiege in Österreich ab und ich frage mich, ob die Horrorvorstellung eines Höcke als nächster deutscher Kanzler nicht schneller wahr werden könnte, als die eigenen Koffer gepackt sind. Nach dem letzten Stich ins Herz – Prince! – ist ein konstruktiver Ansatz gefragt. *Kolumnistin lehnt sich besoffen an die Bar und brüllt ’gen Himmel: "2016 – ich polier dir deine verdammte Fresse!"*  Gut. Dann vielleicht doch lieber etwas Hoffnungsgebendes. Hier kommt eine tolle Innovation aus dem Bestattungswesen. Ein Dienstleister aus Barcelona bietet seinen Kunden an, nach dem Ableben in einer Bio-Urne als Baum der Wahl in den Kreislauf der Natur zurückzukehren. Und jetzt stellen Sie sich mal vor: Sie wachsen da so, ihre Äste zur Sonne gerichtet, daran Tausende Blätter, die sanft im Wind oder zu Prince’ "When Doves Cry" rauschen. Eine ganze Generation Berliner als Wald reinkarniert – ich mag ja die Idee. Bis es soweit ist, kann man sich bei der Trauerarbeit von den Brüsselern inspirieren lassen. Hier wurde aus ernstem Anlass ein Tag des Tanzes ausgerufen. Zu Tausenden trafen sie sich auf der Grand Place, um miteinander zu tanzen. Auf diese Art kehrten die Brüssler nicht nur symbolisch aus dem Schockzustand des Attentates ins Leben zurück. Und wer sich einmal, vielleicht mit schlimmen Liebeskummer, zu lauter Musik verausgabt hat, ahnt, wie befreiend die Aktion wohl war. Ein paar meiner besten Gespräche führte ich, ohne zu reden, auf der Tanzfläche, große Momente der Transzendenz erlebte ich in der Bewegung zu Musik. Leider ist es unmöglich, die vielschichtige Wirkung des Tanzens zu beschreiben, ohne dabei wie ein verschwurbelter Eso-Hippie zu klingen. Also lass ich es und empfehle stattdessen einen Tag des Tanzes für jeden Ort – oder noch besser, das Tanzen in den Alltag zu integrieren: täglich ein paar Minuten, so wie das Zähneputzen. Die Zeit wäre doppelt und dreifach gut investiert, denn Tanzen ist nicht nur Pflaster für Seelenschmerz, sondern macht uns schlau, befeuert die Neuronen, trainiert die Fähigkeit des Nachahmens und senkt das Demenzrisiko, was neurowissenschaftlich inzwischen belegt wurde. So banal es klingen mag: Eine gute Antwort auf schlechte Nachrichten ist Tanzen.

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