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Jackie A. entdeckt… Evolution

Jackie A. entdeckt... Evolution

„Plopp“ –  Da fiel dem Eichhörnchen die Eichel aus der Baumkrone, die Amsel im Unterholz verstummte und auch der Presslufthammer des Nachbarn hat plötzlich ausgesetzt. Hier stehe ich nun, mit aufgekrempelten Ärmeln und heruntergelassener Hose auf der Terrasse, fest entschlossen, die ersten Sonnenstrahlen über das einigermaßen kälteressistente Hüftspeckareal und die Oberschenkel zu absorbieren. Ich werde jetzt keine Rücksicht mehr nehmen, denn ich bin nicht an den Arsch der Welt gezogen, um den eigenen nicht auch mal unbedeckt in die Sonne zu halten – nimm das, Eichhörnchen!
Dringend gebraucht wird jetzt Licht gegen die Dunkelheit, gegen Bilder von verzweifelten Flüchtlingen an der Grenze Mazedoniens, den brennenden Flüchtlingsheimen in Thüringen und dieser Frau, die da mit abgeschnittenen Kinderkopf die Metro in Moskau bestieg.
Sind denn jetzt alle irre geworden? Dieser Winter war gefühlt der trostloseste von allen, und wenn man den Zukunftsforschern glauben darf, wird sich in den nächsten 30 bis 50 Jahren entscheiden, ob die Menschheit an den Folgen der Klimaerwärmung, an dem wachsenden sozialen Ungleichgewicht, an versiegenden Ressourcen oder wegen der Ablösung durch eine höhere Spezies abdankt, bestehend aus superintelligenten, sich selbst programmierenden Maschinen. Oder, um es mit Celine Dion zu sagen: Time to say goodbye, Homosapiens!  Was, wenn man’s genau bedenkt, ja auch verdient scheint. Allerdings ärgert mich das Timing, denn wenn wir in 30 Jahren endlich den Kredit für unser Haus abbezahlt haben, soll schon wieder alles vorbei sein. Nicht mal in Ruhe in Rente gehen kann man hier!
Also was tun? Ich sage es ihnen: Wir könnten es wie die Eintagsfliege machen. Sie hat nur 24 Stunden zu leben, verfällt darüber aber nicht in Depressionen oder postet den halben Tag traurige Smileys auf Facebook, sondern sucht sich exakt den dicksten und stinkendsten Haufen, um hierauf eine gute Zeit mit wechselnden Sexualpartnern, sinnfreiem Herumgesumme und fragwürdigem Buffet zu verbringen. Wir könnten, um die fehlenden Jahre am Ende zu kompensieren, sofort, also ab den 9.März 11. 52 Uhr, unabhängig von Jahreszeiten oder Temperaturen, den Sommer unseres Lebens zelebrieren. Und zwar für die nächsten 30 Jahre. Auf dem richtigen Haufen, um im Fliegenjargon zu bleiben, sitzen wir ja schon. Voraussetzung ist, dass man sich von den aktuellen Berichten über steigende Kriminalität und Gewalt in der Hauptstadt nicht einschüchtern lässt, denn soviel ist auch klar: Berlin ist immer noch ein ganz großartiger Misthaufen für Eintagsfliegen.

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