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Jackie A. entdeckt… Halb Mensch, halb Rind

Jackie A. entdeckt... Halb Mensch, halb Rind

Schmerzgekrümmt sitze ich vorm Laptop, um Ihnen zu schreiben. *Autorin zerfließt in Selbstmitleid*, Knochen­ersatzmaterial vom Rind wurde mir in den Kiefer gestopft. Vermutlich übernimmt gerade das Fremdmaterial die Kontrolle – es schreibt das Ding aus dem All: halb Mensch, halb Rind. Vielleicht ist es wahnsinnig, aber es hat wunderschöne Augen! Das Gute am Schmerz ist, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, für alles andere fehlen nämlich die Nerven. Also kommt hier für Sie das Wesentliche – *Kolumnistin schreit*: „JEDER TAG BEI GESUNDHEIT IST EIN SPITZENTAG! JEDER TAG OHNE SCHMERZEN MUSS GENOSSEN WERDEN!“
Die simple Erkenntnis: Ein kurzes Menschenleben kann auch ohne  iPhone, Eigentumswohnung und Luxusrlaub gut sein, solange man nur gesund ist. Nennen Sie mich Egoistin, aber alle Probleme um Klimakatastrophen und Flüchtlingsströme stehen weit hinter meiner eigenen Befindlichkeit. *Drückt Kühlpad, bis Gel auf den Tisch quillt*.
Ich weiß, dass einige von Ihnen detaillierte Schilderungen von Kieferchi­rurgenbesuchen ablehnen, hin und wieder aber heimlich nach „Implantaten“ und „Erfahrungen“ googeln. Dies nehme ich zum Anlass, Sie an meiner Erfolgsstory teilhaben zu lassen. Vielleicht sind Sie ja auch schon im Alter für Zahnimplantate oder führten einen *fluffigen* Berliner Lifestyle, der entsprechende Maßnahmen früher als erwartet erfordert. Ich besitze inzwischen zwei und bin der Meinung, dass kein Mensch aufwachen sollte, während sein Gebiss noch in einem „Corega-Tabs“-Glas schläft.
Daher: Implantate! Die ersten zwei wahren leicht eingesetzt- das schaffen sie vermutlich auch. Nur dieses jetzt benötigte einen Knochenaufbau. Mein Chirurg eröffnete die Behandlung mit dem vielsagenden Satz: „Das Wichtigste ist eine gute Betäubung.“ Es folgten 5 Spritzen. Mit einer Art Mini-Fräse spaltete er dann den Kieferknochen, um ihn anschließend wie eine Weihnachts-gans statt mit Äpfeln mit synthetisch aufbereitetem Kuhmaterial zu stopfen. Er arbeitete schnell und präzise, ich hatte keine Schmerzen, sehe aber aus, wie ein Opfer derb-häuslicher Gewalt. Seit zwei Stunden lässt nun die Betäubung nach,  und der Abgabetermin für diesen Text naht. Ich schreibe Ihnen das nicht (nur), um Mitleid zu erheischen, sondern weil es mein Job ist und Sie im Idealfall von meinem Erlebnis gleich mitprofitieren können, indem Sie A) sich daran erinnern, dass auch im trostlosesten Winter das Leben noch phantastisch ist – egal, was die Nachrichten gerade wieder vermelden. Und B): Wenn Sie mit Implantaten liebäugeln, Sie sich trauen können, wirklich! Was Sie brauchen, ist einen fähigen Kieferchirurgen und eine gute Zahnzusatzversicherung -beides ist mit etwas Recherche sogar in Berlin zu finden. Bis dahin mein Gruß an die Tip-Leser: „Lets get old together!“

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Halb Mensch, halb Rind

 

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