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Jackie entdeckt… Herausforderung

Jackie A. entdeckt... Empathie

Die große Herausforderung: nicht verbittern. Was bedeutet, die Bilder von Sprechchören vor Asylantenheimen in Freital zu ignorieren. Die hasserfüllten Kommentare unter Til Schweigers Spendenaufruf für Flüchtlinge auf Facebook: ignorieren. Die dummen Sprüche von eigentlich netten Nachbarn über „die Ausländer“: ignorieren. Irgendwann muss man dann feststellen, dass Ignorieren auch keine Lösung ist. Man kann sich aus Deutschland nicht wegdenken, auch wenn der Reflex dieser Tage stark ist. Also ein Versuch zu analysieren, um besser zu verstehen. Wo kommt die Hartherzigkeit, der Hass, die Missgunst her, dieses: „Uns hilft ja auch keiner“? Kein Mensch kommt als Arschloch zur Welt, nicht mal in Freital. Vielleicht liegt es ein Stück an unseren Vorbildern. Erfolg durch Härte, aktuell vorgeführt durch einen Finanzminister, der ein ganzes Volk trotz offensichtlicher Bedürftigkeit in die Schranken weist. Die haben’s selber verbockt, also sollen sie gefälligst damit klarkommen, dass die Lebensmittelpreise dramatisch steigen. Dabei ist das Einzige, was man den Griechen vorwerfen könnte, dass sie Regierungen wählten, die ihr Land ruiniert haben. Wenn’s ums Geld geht, ist in Deutschland Schluss mit der Nächstenliebe. Dann wird selbst in der eigenen Familie (EU) der röchelnde Onkel am Boden liegen gelassen. Selber schuld, warum hat der auch so viel Ouzo gesoffen, soll der doch erst mal seinen Deckel am Tresen bezahlen! Der Eindruck, dass unter den „besorgten Bürgern“ besonders laut jene aus dem ehemaligen Osten zu hören sind, trügt. Und doch meine ich hier gelegentlich hinter Schimpftiraden Spuren einer alten Verletzung herauszuhören. Das war ja 1989 keine Zusammenführung zweier Staaten, sondern eine Übernahme der DDR. Bei vielen Ossis blieb ein Gefühl des Identitätsverlustes und dass die eigene Vergangenheit nichts wert ist. Da nagt ein Minderwertigkeitsgefühl, das Bitterkeit und Angst davor erzeugt, dass jetzt auch noch die Zukunft genommen werden könnte. Keiner will ein Niemand im Universum sein. Dabei sind wir das doch alle. Der brillante Stephen Hawking will als größten Fehler der Menschheit die Aggression ausgemacht haben und empfiehlt als Kitt für den Frieden mehr Empathie. Wie schwierig die Aufgabe ist, wird klar, wenn man bedenkt, wer alles unsere Empathie braucht: das traurige Flüchtlingsmädchen genauso wie das Freitaler Arschloch. Das griechische Volk genauso wie die Berliner Alleinerziehende am Existenzminimum krepelnd … die Liste ist lang, aber es führt kein Weg drumherum. Wir müssen uns jetzt öffnen.

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Jackie A. entdeckt… Empathie

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