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Jackie A. entdeckt… Pumuckl versus Pittiplatsch

Wir feiern die Wiedervereinigung

Glückwunsch, ich proste Ihnen zu! Jetzt gucken Sie doch nicht so skeptisch, 25 Jahre Wiedervereinigung wird doch noch Grund zur Freude sein – oder etwa nicht? Aus diesem Anlass wurde ich zu Diskussionsrunden und Sondersendungen eingeladen- zumindest den Medienbeauftragten schien das Jubiläum nicht komplett am Anus vorbeizugehen. Aber mal Hand auf den Po, wie steht es mit ihnen? Wünschen Sie sich – in Anbetracht der Szenen von Pegida und besorgten Bürgern – nicht doch heimlich die alte Mauer, mindestens um Thüringen und Sachsen, zurück? Empfinden Sie als Wessi den Ossi zunehmend als Zumutung und ungeliebten Verwandten, den man auf Familienfesten am liebsten nicht mehr einladen würde, weil er so prollig ist? Und Sie als Ossi, gehen Ihnen die selbstgerechten Vorträge kreditwürdiger Westdeutscher nicht auch auf den Sack? Denken Sie, die sollten vielleicht erst mal durchmachen, was Sie in mindestens zwei Systemen erlebten? Vielleicht glauben Sie jetzt, so klischeehaft denkt kein Mensch. Aber mein Eindruck ist, dass Ost und West sich so fern sind wie seit langem nicht mehr. Das zeigt sich gerade in der Krise um die Flüchtlingspolitik deutlich. Da hagelt es von Beschimpfungen in den Kommentarspalten bei Facebook: „Die dummen Ossis“, „die scheiß Zonis abschieben“, „Geht doch zurück in die DDR“. Ironie höre ich eher selten heraus.
Rückblende: 1989 in einer Erdgeschosswohnung in Neukölln. Beim Abendbrot informierte der Nachrichtensprecher im Fernsehen, dass die Mauer gefallen sei. Damals habe ich mich nicht gefreut. Nachdem wir ein paar Wochen zuvor alles stehen und liegen gelassen hatten, um in den Westen abzuhauen, war sie plötzlich offen. Dann war jetzt  alles umsonst? Wir hätten also einfach nur abwarten müssen? …Verdammte Scheiße! Meine neue Heimat fand ich im Nachtleben. Mit der Begeisterung für den neuen Sound „Techno“ in einer Stadt, in der es Nachts keine Regeln zu geben schien, hat sich die Frage nach der Herkunft gar nicht erst gestellt. Gemeinsam gab es das Niemandsland Ost-Berlin zu entdecken, leerstehende Wohnungen und alte Fabrikgelände zu kapern, die neue Freiheit zu feiern, sich selbst zu erfinden. So selbstverständlich in den Idealen vereint habe ich uns nie wieder erlebt. Die alten Vorbehalte sind wieder da und ja, es stimmt, wir sind anders: unsere Art auf die Dinge zu sehen, unsere Kindheitshelden, Erinnerungen,  unsere Kultur, oft auch noch die Kontostände. „Pittiplatsch“, Jugendweihe und „Action“-Haarspray versus „Pumuckl“, Konfirmation und „Drei Wetter Taft“. Aber was wären wir ohne einander? Was wären Starsky ohne Hutch, Dick ohne Doof, Wallace ohne Gromit? Wir wären schlicht und ergreifend nicht vollständig. Denken sie zur Feier des Tages nochmal daran. Von Ost nach West und wieder zurück: Alles Gute, ich feiere uns!

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