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Jackie A. entdeckt… Sonstiges

Jackie A. entdeckt... Sonstiges

Es war die Nachricht des Monats: Mark Zuckerberg spendet 99 Prozent seines Facebook-Vermögens – ich vermute ja, aus schlechtem Gewissen. Die Pocken, Weltkriege und Reaktorkatastrophen haben wir überstanden. Aber dann kommt so ein soziales Netzwerk, und die Krone der Schöpfung schrumpft zu Duckfaces und „Like“-Amöben zusammen. Konnte man vorher noch auf Fortschritte der Spezies hoffen, ist der Facebook-Mensch inzwischen derart mit sich selbst beschäftigt, dass ein Wellensittich vorm eigenem Spiegelbild dagegen introvertiert wirkt. Vorteil für den Sittich: Er hat wenigstens Spaß auf der Stange. Und was ist mit uns? Viele von uns können Facebook mit seinen Richtlinien nicht leiden, sich aber ein Leben ohne trotzdem nicht vorstellen. Gelingt der Ausstieg dann doch, wird mit der Abstinenz wie mit einem exotischen Hobby geprahlt: „Seht her! Ich bin nicht mehr auf Facebook! Ich bin autark und lasse mich nicht benutzen!“
Ja, ich bin schwach, hänge bei FB rum und lasse mir meine Daten klauen. Aber es war nicht alles umsonst! Hier fand ich neue Bekannte, Jobs und (hui!) sogar den Ehepartner. Wer würde sich da beschweren? Dennoch fiel FB bisher kaum durch Menschenfreundlichkeit auf (siehe Nutzerschutz). Und so stimmt Zuckerberg in der Rolle des Misanthrophen skeptisch. Also warum tut er das? Ich sage es Ihnen: Weil er uns Facebook-Usern kurz vor Weihnachten das letzte wirklich Aufregende genommen hat: den „Sonstiges“-Ordner! Jetzt sagen Sie nicht, Sie hätten nie davon gehört.  Er war Gute-Laune-Garant und  Glückskecks-Moment im drögen FB-Nachrichtenuniversum. In den unauffällig platzierten Ordner wurden automatisiert Nachrichten verschoben, von denen Sie vermutlich nie wussten, dass die überhaupt existierten. Umso größer der Aha-Effekt beim ersten Anklicken: „Hello i want to get married – can you help me?“  Wie hätten Sie geantwortet? Hier ruhen unentdeckte Kontaktversuche, die mit „Hi, darf ich dich mal was fragen?“ und mit „Keine Angst, ich wollte dir nicht an die Wäsche“ enden. Schnupper-Chat-Versuche, Heiratsanträge, Beschimpfungen, Jobangebote, Ahnenrecherche oder Veranstaltungseinladungen von interessanten Unbekannten – ein Klick in „Sonstiges“ hat sich immer gelohnt. Wie ich mit Bestürzung feststellen musste, wurde „Sonstiges“ abgeschafft und die Chance auf spontanes Amüsement im FB-Dunst für immer genommen. Mark Zuckerberg, hören Sie mich? Behalten Sie Ihre Millionen, aber bringen Sie „Sonstiges“ zurück – für ein letztes bisschen Spaß im Unwürde-Universum!

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Sonstiges

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