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Jake & Dinos Chapman „Shitrospective“

Jake & Dinos Chapman Unvergesslich ihre zusam­men- gewachsenen Kin­der-Schau­fens­ter- puppen mit den Genitalien im Gesicht. Bei Contemporary Fine Arts gibt es nun ein Wiedersehen mit Jake & Dinos Chapman. Zum ersten Mal in einer Berliner Galerie nutzen die Brüder die Gelegenheit, ihr Werk Revue passieren zu lassen. Auch „Sensation“ ist mit von der Partie in dieser „Shitrospek­tive„, die en miniature, aus bemalter Pappe, Karton und Zeitungspapier, die wichtigsten Arbeiten reproduziert. Eine bunte, verspielte Bastelwelt tut sich auf mit niedlichen Tieren wie dem Schaf, das ein Fell aus Styroporkugeln trägt, oder der signalgelben Vogelscheuche, auf der es sich Krähen gemütlich machen („Two legs bad, four legs good“). Dass sie in einem Feld voller kleiner Holz-Zahnstocher steht, verdeutlicht den humorvoll-kritischen Blick der in London lebenden Mittvierziger auf die Menschheit. Reminiszenzen an die komisch-makaberen Szenarien, die sie bekannt machten: „Fuck Face“, „Sex“, „Little Death Machine“ oder „Hell“, sind ebenfalls zu besichtigen. Zu putzigen Pappkameraden geschrumpft, erscheinen die Skulpturen wie nachgereich­te Modelle der Urversionen – läs­sig, liebenswert selbst-ironisch und charmant zeitgemäß, was die armen Materialien und den kos­ten­güns­tigen Produktionsaufwand angeht. In der Krise ein sympathisches Format, das treffliche Petitessen bereithält wie den teuflisch-clownes­ken „Migraine“-Schädel oder die Eltern der Künstler im – verkehrten – Adams­kostüm. Was Daddy fehlt, besitzt Mummy im Übermaß.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Jochen Littkemann/CFA Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Jake & Dinos Chapman, „Shitrospective“, Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10, Mitte, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, bis 30.1.

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