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Jenseits der Schablonen – Dänemarks großer Komponist Carl Nielsen beim Musikfest Berlin 2015

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Carl Nielsen (1865–1931), der in seinem Land zu Recht den Status eines Nationalkomponisten einnimmt, wird in unseren Breitengraden noch seltener gespielt. Anlässlich seines 150. Geburtstages widmet das Musikfest Berlin Carl Nielsen ein musikalisches Porträt in sechs Konzerten.

Vier seiner insgesamt sechs Symphonien und sein Orchesterwerk „Pan und Syrinx“ werden beim Musikfest Berlin 2015 zu hören sein. Das Mahler Chamber Orchestra unter Thomas Sшnderg?rd, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski und die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle präsentieren Nielsens Kompositionen im Rahmen des Musikfests. Aus Kopenhagen reist das Royal Danish Orchestra an. Es ist das älteste Orchester Europas und hat seinen runden 560. Geburtstag bereits hinter sich. Carl Nielsen spielte jahrelang als Geiger im Orchester, bevor er sich als Komponist selbstständig machte.

150820-6_Carl_Nielsen_c_Ko?nigliche_Bibliothek_Da?nemarkDas junge Danish String Quartet wird an zwei Abenden alle vier Streichquartette Nielsens mit den Streichquartetten Ludwig van Beethovens kombinieren. Das Nielsen-Porträt wird durch die sehenswerte Ausstellung „Carl Nielsen – Music is Life“, die vom 9. September bis 9. Oktober im Foyer der Philharmonie präsentiert wird, vervollständigt. In 8 Stationen vermittelt sie, wie sich große künstlerische Schaffenskraft und ein bewegtes Gesellschaftsleben gegenseitig bedingen und daraus Inspiration entstehen kann.

Carl Nielsens Musik zeigt uns heute vor allem eines: Die üblichen Schablonen, um Musik in der Musikwelt einzuordnen, greifen nicht mehr. Es geht vielmehr um Originalität, die sich ihren Kosmos selbst schafft.150820-8_Carl_Nielsen_c_Ko?nigliche_Bibliothek_Da?nemark

Der Komponist Carl Nielsen übertritt wie Arnold Schönberg und Gustav Mahler die Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. In dieser Umbruchsituation begreifen Komponisten wie er die Musikgeschichte nicht mehr nur als eine Zeitleiste, an deren Ende sie sich gerade befinden, sondern als Feld, das ausgebreitet vor ihnen liegt. Verschiedene musikalische Idiome – Einflüsse aus der Volksmusik, Anleihen aus der Kunstmusik, Komplexität neben Archaik, Tradition und Aufbruch, Klangsinnlichkeit und Kontrapunktik – stehen in Nielsens Musik nahe beisammen.
Beim Musikfest Berlin erklingt die Musik Carl Nielsens u.a. im Kontext der Zweiten Wiener Schule, vor allem Arnold Schönberg, Gustav Mahler, Claude Debussy. Gerade diese ungewöhnlichen Konstellationen fordern die Besucher heraus, Hörgewohnheiten abzustreifen und der jeweils unverwechselbaren musikalischen Sprache, ihrer Expressivität, ihren Strukturen und ihren musikalischen Quellen und Gegenwartsbezügen nachzuspüren.

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