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Jobsuche mittels Sozialer Netzwerke

netz_by_dagmar_zechel_pixelio.de275 virtuelle Visitenkarten hat Kristina Walcker-Mayer bisher gesammelt. Seit 2009  ist sie bei dem Business-Netzwerk Xing an­gemeldet. Für ihre Arbeit in der Kommunikationsbranche sei es wichtig, mit Geschäfts­kontakten über diesen Weg vernetzt zu bleiben. „Man kann dort völlig unbefangen auf einer Geschäftsebene Kontakte halten. Und man muss nichts Privates preisgeben. Visitenkarten kann man verlieren – diese Kontakte sind gespeichert“, sagt die studierte BWLerin. Über Xing kann man seine beruflichen Kompetenzen für potenzielle Arbeitgeber in einem Online-Lebenslauf sichtbar machen. Man kann Kontakte sammeln oder sich von den Chefs finden lassen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch das Netzwerk LinkedIn. Auch Blogs und andere Web­auftritte können ein Karrieresprungbrett sein. „Das ist vor allem für Branchen wichtig, in denen Personal Branding eine Rolle spielt. Wo das digitale Auftreten bereits als Arbeitsprobe gilt“, sagt die Karriereberaterin Svenja Hofert.

Der Kommunikationsberater Branko Woisch­­­will rät Jobsuchenden dazu, sich zuerst ein Bild über die verschiedenen Möglichkeiten im Netz zu verschaffen. Neben den allgemeinen Karrierenetzwerken gebe es zudem Portale, die auf spezifische Interessen und Kompetenzen zugeschnitten sind. Das soziale Netzwerk ResearchGate richtet sich beispielsweise speziell an Wissenschaftler. „Zuerst muss ich mich fragen: ‚Wie will ich mich präsentieren? Wo und von wem will ich wahrgenommen werden?‘ Erst dann entscheidet sich, welches Portal für mich das richtige ist“, sagt Woischwill. Kristina Walcker-Mayer hat über Xing schon einige Jobangebote erhalten, erzählt sie. Damit ist sie kein Einzelfall. Eine Studie vom Institute for Competitive Recruiting von 2012 belegt, dass im Vergleich zu 2010 bereits doppelt so viele Arbeitgeber in den sozialen Netzwerken nach geeigneten Bewerbern suchen. Rund 24 Prozent von ihnen versuchen über diesen Weg Fachkräfte zu akquirieren.

Ganz vorne bei der Mitarbeitersuche steht trotzdem weiterhin die klassische (Online-)Stellenausschreibung. Auch Branko Woisch­will ist der Meinung, dass die Jobsuche per Xing, Twitter und Co nicht zum Dogma werden muss. „Niemand wird gezwungen, im Netz präsent zu sein. Wichtig ist, dass man einen Weg findet, der zu einem selbst und den beruflichen Zielen passt.“ Beim Thema Facebook hat Netzwerkerin Kristina eine klare Meinung: „Das nutze ich nur für private Kontakte. Ich will nicht, dass sich das mit den Geschäftskontakten mischt.“ Damit sich der Chef nicht durch die Urlaubsbilder klickt, empfiehlt Hofert einen anderen Weg: „Die digitale Identität lässt sich nicht aufsplitten – man wird eh gefunden. Besser ist es, die Privatsphäre-Einstellungen entsprechend zu ändern.“ Der Kontakt zu Unternehmen auf Facebook und Twitter kann wichtig sein, um sich rechtzeitig einen Überblick über vakante Stellen zu verschaffen und erste Kontakte aufzubauen.

Wer keine Lust auf Netzwerken hat, der ist bei den Karriereportalen schlecht aufgehoben. „Entweder man arbeitet damit oder man lässt es. Wer nur wenige Kontakte auf Xing sammelt, steht nicht besonders gut da“, sagt Karriereberaterin Hofert. Auch wenn die Jobsuche über Social Media in vielen Branchen eher ergänzend als verpflichtend ist, in den Bereichen Kommunikation und Marketing, in der Start-up- und Agentur-Szene geht es schon jetzt nicht mehr ohne. Vielleicht zählt bald nicht mehr die Abschlussnote, sondern eine ganz andere Zahl: der Klout-Score. Dieser misst auf einer Skala von 1 bis 100 die persönliche Relevanz im Social Web. Je mehr gepostet und retweetet wird, umso höher ist er. Svenja Hoferts Klout-Score liegt übrigens bei 59.

Text: Steffi Sandkaulen

Foto: Dagmar Zechel / pixelio.de

LinkedIn
Mitglieder: mehr als 200 Millionen (Stand: Januar 2013) weltweit
Geeignet für: Netzwerker im inter­nationalen Bereich, vor allem Fach-
und Führungskräfte
Besser nicht: Profil anlegen,
ohne aktiv zu netzwerken

FACEBOOK
Mitglieder: über 1 Milliarde
(Stand: September 2012) weltweit
Geeignet für: erste Kontaktaufnahme
zum Unternehmen, Infos zu Stellen­ausschreibungen
Besser nicht: gleiche Privatsphäre­einstellungen für Freunde und Geschäftskontakte

XING
Mitglieder: 12,65 Millionen
(Stand: September 2012) weltweit
Geeignet für: Einsteiger beim Karriere-­Netzwerken, vor allem im deutsch­sprachigen Bereich
Besser nicht: siehe LinkedIn

Twitter
Mitglieder: mehr als 200 Millionen (Stand: Dezember 2012) weltweit
Geeignet für: erste Kontaktaufnahme zum Unternehmen, Informationen zu Stellenausschreibungen
Besser nicht: informeller Ton
bei Kontaktaufnahme
(trotz Zeichenknappheit)

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