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Filmgemälde

Joe Ramirez. The Gold Projections

Joe Ramirez hat mit den Gold Projections ein ganz neues filmisches Verfahren entwickelt. Zur Berlinale stellt er nun am Kulturforum seine Filmgemälde vor

Joe Ramirez: Somnium, Video still, 2016 | © Joe Ramirez
Joe Ramirez: Somnium, Video still, 2016 | © Joe Ramirez

Einmal von der Frankfurter Allee richtig abgebogen, und schon steht man in einer anderen Welt. In einem dunklen Klinkerbau, früher Schulturnhalle, den Joe Ramirez über viele Jahre zu seinem Atelier umgebaut hat. Eine Arbeit, an der er fast verzweifelt wäre. Noch einmal, sagt er, würde er das nicht machen. Er ist gelernter Tischler. „Ein ziemlich guter.“ Und Maler. Sein früherer Beruf verband beides. Ramirez, 1958 in San Francisco geboren und seit 2007 in Berlin, hat Kirchen restauriert, darunter die Sixtinische Kapelle.

Das wirkt nach. Sein Atelier hat etwas Sakrales, was an den hohen Räumen und der großen goldenen Scheibe liegt, die auf einer dunklen Wand hängt. Sie ist aus Holz, die leicht konvexe Oberfläche von geschickter Hand geduldig bearbeitet und dann vergoldet. Auf Scheiben wie diese projiziert er seine „Filmegemälde“, so nennt er seine Kunst. Zwölf Jahre lang hat Ramirez am Verfahren dieser „Gold Projections“ gearbeitet und es patentieren lassen. In Berlin war es außerhalb seines Ateliers noch nie zu sehen. In seinem Atelier jedoch waren einige gut vernetzte Menschen davon sehr beeindruckt: Patti Smith beispielsweise, oder Wim und Donata Wenders. Wim Wenders gehört nun gemeinsam mit Jim Rakete und dem Sammler Désiré Feuerle (Feuerle Collection, der Bunker am Halleschen Ufer)  zu den ausführenden Produzenten von Ramirez’ jüngstem, zweistündigen Filmgemälde „Somnium“, das auf der gleichnamigen Novelle des Mathematikers und Philosophen Johannes Kepler aus dem Jahr 1608 beruht und von einer Mondfahrt erzählt. Science-Fiction aus der frühen Neuzeit.

Ramirez’ erstes Filmgemälde war von den Gedichten William Blakes inspiriert. Unter den Malern haben ihn auf jeden Fall Hieronymus Bosch und Goya beeinflusst, unter den Filmregisseuren am meisten Sergej Eisenstein, Andrej Tarkowskij und eben Wenders.

„Somnium“ ist eine assoziative Reihung von Bildern. „Es geht um die Sprache des Traumes und der Poesie“, erklärt Joe Ramirez. „Bei den Gold Projections geht es ums Sehen, um die Oberfläche, um Film als Malerei“.

Auch der Kurator Jörg Völlnagel, der gerade die im April anlaufende Ausstellung „Alchemie. Die große Kunst“  für die Staatlichen Museen vorbereitet, ist von Ramirez‘ Arbeiten begeistert. Von ihm kam die Idee, sie gleich im ganz großen Rahmen erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen, im Kulturforum, quasi zwischen den goldgrundierten Bilder in der Gemäldegalerie und der Berlinale am Potsdamer Platz. Man kann davon ausgehen, dass die „Gold Projections“ dann auch dort ziemlich sakral wirken werden.

Joe Ramirez Gold Projections Kulturforum, Sonderausstellungshalle, Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di, Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr; 7.–19.2.(17. zu); 7.–12.2. Vergoldung der großen Scheibe, Projektionen auf der kleinen Scheibe; „Somnium“ wird 14.–16.2. gezeigt

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