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„Ich weiß nicht“ von Jürgen Teipel

PeyoteUnd irgendwann findet sich das seltsame DJ-Trio in der mexikanischen Wüste wieder. Tere, ihr Ex und der Ich-Erzähler, der Tere zugetan ist; alle drei auf dem Weg zu einem Technofestival in Mexiko-City. Dort, in der Wüste, knabbern sie an Peyote-Kakteen. Dann ist erstmal Kirmes im Kopf. So voll total toll.
Mangels eigener Erfahrungen zu diesem Thema verweisen wir an dieser Stelle gern auf die Internetseite www.thema-drogen.net. Danach mündet der Genuss des Kaktusses in einen halluzinogenen Meskalinrausch. Da­mit einher geht ein schamanisches Einswerden mit der Natur, ein tieferes Verständnis derselben, mit göttlichen Visionen auch noch.
Zufall oder nicht. Damit ist das Leseerlebnis von Jürgen Teipels erstem Fiction-Roman „Ich weiß nicht“ schon recht passabel beschrieben. Sein vielstimmiger, auch viel gelobter Doku-Roman „Verschwende deine Jugend“, 2001 erschienen, kompilierte mehr als 100 Interviews mit Punk- und New-Wave-Protagonisten. Ein faszinierendes Zeitdokument. Von „Ich weiß nicht“ lässt sich das nicht behaupten.
Da hängt dauernd irgendwas mit allem zusammen. Und ständig sind, gelegentlich total überraschend, die Leute, die der Erzähler trifft, letztlich genau so wie er selbst. Es ist die reinste, obendrein penetrant naive Erbauungs- und Selbstvergewisserungsprosa.
Und dazu immer der Erzähler dann so: Alles „superinteressant“, „völlig faszinierend“, „total“ dieses, „echt“ jenes. Zum Beispiel erzählt ihm ein Mann auf einer Party, er sei Azteken-Punk, ein Drache. Er säubere Seelen: „Das fand ich dann völlig faszinierend, sich auf so einer ganz anderen Ebene zu unterhalten. Dass wiederum ganz andere Dinge möglich sind, als ich das gewohnt war.“ Na so was.
Man argwöhnt die ganze Zeit, einer Jugendsprech-Persiflage aufgesessen zu sein. Teipel ist Jahrgang 1961, schreibt aber wie Jahrgang 1991, wobei wir uns hiermit bei allen Unter-20-Jährigen entschuldigen, die sich jetzt angerempelt fühlen. Zu selten mündet dieser Heile-Welt-Duktus, etwa bei den gefühligen Liebespassagen, dann doch in schöne, zarte, träumerische Bilder.
Wenn Teipels Sprache, wie der Klappentext behauptet, wirklich „wirkt wie langen Afterhours abgelauscht“, ist man froh, damals in den Clubs schon vorher heimgegangen zu sein. Und dass Peyote sowieso bitter schmecken soll.

Text: Erik Heier

Foto: Biosphoto

tip-Bewertung: Uninteressant

Jürgen Teipel „Ich weiß nicht“, Dumont, 125 Seiten, 14,95 Ђ

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