Kultur

Kamine im Wohnzimmer

Kamine im Wohnzimmer

Für Lars Krämer aus Kreuzberg sollte es ein schlichter Kamin werden, der mehr Gemütlichkeit bringt und die Wohnung noch wohnlicher macht. „Das Geld spielte natürlich auch eine Rolle, aber in erster Linie sollte er auf Anhieb gefallen und das Gefühl von Zu-Hause-Sein vermitteln“, erzählt er. Nach einigen Beratungsgesprächen mit dem Schornsteinfeger, Kaminbauern und vor allem dem Vermieter war auch dann der richtige gefunden. Schlichtes Silber in gebürsteter Optik mit großem Sichtfenster, welches von Granit eingefasst ist. Klare Linien, zurückhaltender Stil.
Und damit folgt Krämer einem Trend, wie der Kaminbauer Erik Paßow von der Firma Masuch in Kreuzberg erzählt. „In Neubauten oder Luxuswohnungen sind die Energiewerte so gut und die Leute sparen in solchen Häusern ohnehin schon Energie, da wollen sie Kamine hauptsächlich wegen der Gemütlichkeit und des besseren Wohngefühls.“ Wiederum viele andere seien daran interessiert, im Falle eines Stromausfalls mit Wärme versorgt zu sein.
Krämers Vermieter hatte nichts dagegen, bei ihm einen Kamin einzubauen. Viele andere sind nicht so großzügig. Denn auch wenn der Einbau den Wert der Wohnung hebt, bleibt es eine Veränderung der Bausubstanz. Deshalb ist es auch eher die Ausnahme, dass sich Mieter in ihren Wohnungen feste Kamine einbauen lassen. „Die Vielzahl der neu eingebauten Kamine in Berlin sind vor allem in Eigentumswohnungen zu finden. Und da gibt es auch ausgefallene Sonderwünsche, wie man beispielsweise im Kaminstudio Frankmölle & Lorenz in Stahnsdorf erfahren kann. „Wir hatten schon wirklich ausgefallene Sonderwünsche dabei, und generell gilt für uns, was machbar ist“, sagt Mitinhaber Gert Lorenz. „Das erfüllen wir gern dem Kunden.“ Ein Fall sei ihm jedoch besonders in Erinnerung geblieben, erzählt Lorenz. „Da wollte ein Kunde die Feuerstelle sechs Meter vom Schornstein entfernt  haben, das ist dann doch etwas schwieriger zu bewerkstelligen.“ Auch bei der Firma Masuch kennt man sich mit eher anspruchsvolleren Ansinnen aus. Da wäre zum Beispiel ein Kamin mit einer Feuerungsbreite von über zwei Metern mit Fernbedienung für die Glasscheibe, denn die muss ja auch häufiger mal geöffnet und geschlossen werden.
Wenn kamininteressierte Mieter wie Lars Krämer nicht die schriftliche Einverständniserklärung ihres Vermieters bekommen, bleibt ihnen eine Alternative, bei der kein Schornsteinanschluss erforderlich ist. Die Möglichkeiten sind auch hier mittlerweile recht groß: vom Gaskamin über eine mit Ethanol gespeiste Feuerstelle bis hin zu den klassischen, kleinen, schwarzen Stahlkaminöfen. Viele Fachleute aber raten vor allem von Ethanol-Kaminen ab, denn da bestünde doch „ein recht hohes Risiko, dass es eine Verpuffung bei nicht fachgemäßem Gebrauch geben könnte, auch der Geruch ist eher gewöhnungsbedürftig“, wie Kaminbauer Paßow sagt.
Außerdem empfiehlt der Kreuzberger, auch für die kleineren Öfen lieber zum Fachmann zu gehen, da deren selbst gebaute Modelle bessere Verbrennungswerte und Langlebigkeit haben. Materialien seien höherwertiger und hielten somit länger und auch die Standfestigkeit durch das Gewicht sei somit besser. Die Preise für einfache, kleine Schwarze beginnen bei circa 1?000 Euro. Nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt. Vor allem, wenn man edle Materialien wie Marmor oder Granit auf seiner Wunschliste stehen hat.
Bei den äußerlichen Trends sind sich auch die Experten einig: schlichte, klassische Bauweise, nicht allzu viel Geschnörkel, gerne Keramik. Aber auch glatte Oberflächen und mehr Farbe sind schwer im Kommen. Auch die sogenannten Hängekamine aus Skandinavien stehen immer öfter auf den Wunschlisten der Kunden.
Ein Berliner Architekt, der ungenannt bleiben möchte, berichtet von Kunden, die Kamine im Wert von 40?000 Euro orderten. „Aber die sind dann nicht nur für die Gemütlichkeit, sondern auch oftmals als komplettes Heizsystem in Form von Pellet-Kaminen eingebaut. Damit wird dann auch noch an das Klima und die Nachhaltigkeit gedacht.“ Wer gerade nicht so viel Geld für sein brennendes Interesse übrig hat: Eine DVD mit einem prasselnden Kaminfeuer tut es zur Not auch. Und die kostet nun wirklich nicht die Welt.

Text: Dominik Haag

Foto: Hark Kamine & Kachelöfen

Adressen:

Masuch Jahnstraße 4,Kreuzberg, www.passow-kamine.de

Frankmölle & Lorenz Wilhelm-Külz-Straße 96, Stahnsdorf, ?www.berlin-kamine.com

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