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Kampf um den Erhalt von Berlins ältestem Schülerladen

Kulturen_im_KiezIm Wedding ist gerade Berlins ältester Schülerladen, die Anfang der 1970er-Jahre eröffnete A13 auf der Amsterdamer Straße 13, geschlossen worden. Sie, vom benachbarten Kinder- und Jugendladen Max 14, wehren sich dagegen? Wollen Sie Denkmalpflege betreiben?  
GOTTFRIED UEBELE Nein. Wenn es nur um das Alter des Schülerladens ginge, wenn kein Bedarf mehr da wäre, dann könnte man den auch schließen. Aber der Bedarf ist da.
CAROLIN HOLTMANN Sogar inklusive des Schülerladens A13 ist der tatsächliche Bedarf an offener Kinder- und Jugendarbeit in diesem Kiez nur zu 50 Prozent gedeckt. Dabei ist die offene Kinder- und Jugendarbeit, wie sie die A13 oder die Max 14 betreiben, im Kinder- und Jugendhilfegesetz in Paragraf 11 gesetzlich vorgesehen. Und auch die Max 14, ein Bestandteil unseres Kinder- und Jugendbeteiligungsprojektes Blickpunkt Jugend, wird nur bis Oktober beziehungsweise Dezember 2012 vom Quartiersmanagement Pankstraße gefördert. Für die Zeit danach ist eine Weiterfinanzierung noch sehr unsicher.

Der Träger der A13, der Deutsche Kinderschutzbund, ließ verlauten, dass für seinen Schülerladen wegen der Einführung der Ganztagsschulen kein Bedarf mehr bestünde. Stattdessen will man an diesem Ort unter anderem Yoga für Mütter anbieten.
HOLTMANN Natürlich braucht man nach wie vor die offene Kinder- und Jugendarbeit. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben.
UEBELE Außerdem ersetzen Schulhorte nicht die offene Kinder- und Jugendarbeit. Horte sind ein Teil der Institution Schule, wozu diverse Regelungen gehören. Viele Kinder, die zu uns kommen, haben schon Mühe, die Schulzeit durchzuhalten und brauchen eher Erholung jenseits von festen Strukturen.

HOLTMANN Im Rahmen der offenen Jugendarbeit entscheiden die Kinder und Jugendlichen gemeinsam, was sie gerne machen möchten: spielen, lernen, basteln oder Ausflüge unternehmen. Wenn dieses Angebot wegfällt, werden die Kinder um ihre Rechte gebracht.

Warum sieht der Träger der A13 die Situation so völlig anders?  
UEBELE Wir sehen die Situation, wie sie rund um den Leopoldplatz aktuell existiert. Hier leben viele Familien in sozial schwierigen Situationen. Hier ist ein riesiger Bedarf an Kinder- und Jugendsozialarbeit. Wir werden von Kindern und Jugendlichen überrannt. Und der Schülerladen A13 ist ein Juwel. Dort ist über mehrere Generationen Vertrauen zu den arabischen, türkischen oder ex-jugoslawischen Familien aus diesem Kiez gewachsen, man hat Zugang zu ihnen. Es wird nicht möglich sein, so etwas später wieder aufzubauen. In diesem Viertel findet derzeit aber auch ein großer Umbruch statt: das, was man als Gentrifizierung bezeichnet. Und der Kinderschutzbund, so mein Eindruck, orientiert sich eher an dem, was hier kommen wird. Man will offenbar der Zeit voraus sein.

Warum engagieren Sie sich für die A13?
HOLTMANN
Die Kinder aus der A13 kommen jetzt zunehmend hierher, und mit unseren Kapazitäten ist das auf Dauer nicht zu tragen. Außerdem sind wir empört, dass die offene Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk immer weiter eingespart wird.     

Interview: Eva Apraku
Foto: David von Becker

 

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