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Kämpfen mit den Kilos: Bewegung ist unverzichtbar

FitnessZuerst die gute Nachricht: Wir sind Vize-Europameister. In einem aktuellen Ranking von Eurostat, dem europäischen Amt für Statistik, liegt Deutschland auf dem zweiten Platz. Ein Grund zum Feiern? Leider nicht. Denn die schlechte Nachricht lautet: Wir sind Vize-Europameister im Übergewicht.

Eurostat hat nachgemessen und im statistischen Jahrbuch 2010 die Leibesfülle der Europäer dokumentiert. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (59,7 Prozent) haben demnach Übergewicht. Noch dicker sind in Europa nur die Engländer. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat ebenfalls nachgemessen und kommt zu etwas günstigeren Ergebnissen: Laut Mikrozensus-Befragung von 2009 sind 51 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig – weniger als bei ­Eurostat, aber immer noch mehr als die Hälfte aller erwachsenen Menschen.

Die Schwankungen der Statistik hängen damit zusammen, dass für die Messung der Körperfülle sowohl bei Eurostat wie auch bei Destatis der Body-Mass-Index (BMI) ausgewertet und von den Statistikern unterschiedlich interpretiert wurde. Für den BMI gibt es eine einfache Formel, mit der jeder nachrechnen kann, wie es um die eigene Leibesfülle bestellt ist: das Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern. Als Faustregel gilt: Ein BMI von 20 bis 25 ist okay, ab 25 wird es problematisch, ab 30 sollte man unbedingt eingreifen und gegensteuern.

Aber wie? „Es ist eigentlich ganz einfach“, sagt Professor Herbert Löllgen, Kardiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Man müsse einfach nur zwei Ratschläge in die Tat umsetzen: Weniger essen. Und sich mehr bewegen. Wichtig ist dabei, beides gleichzeitig zu tun: „Um dauerhaft Gewicht zu verlieren, braucht man sowohl die Bewegung wie auch die Reduzierung der Essmenge“, betont der DGSP-Präsident.

Eine Diät ohne Sport bringt langfristig wenig, weil der Körper seinen Grundumsatz an die verminderte Energiezufuhr anpasst. Abgebaut wird dabei nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Wenn die Diät dann vorbei ist, nimmt man besonders schnell wieder zu: Der gefürchtete Jojo-Effekt tritt ein. Deshalb sollte man beim Abnehmen nicht nur die Nahrungs- und Energiezufuhr drosseln, sondern gleichzeitig den Kalorienverbrauch ankurbeln – durch Sport. Dadurch baut der Körper Muskeln auf, und Muskeln verbrennen besonders viele Kalorien. Je mehr Muskeln, desto höher der Grundumsatz.

TrainingAlso mehr Sport. Aber welcher? Der Sportmediziner Löllgen empfiehlt eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. Bei Letzterem soll man darauf achten, dass die Belastung moderat bleibt und die Pulsfrequenz nicht höher liegt als 100 bis 130. Gut geeignet seien Walking, Nordic Walking oder langsames Jogging, am besten zwei oder dreimal pro Woche jeweils eine halbe Stunde. Besonders ermutigend für Anfänger: Beim Abnehmen geht es nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu erzielen. Im Gegenteil, wer Kilos verlieren möchte, sollte auf keinen Fall die Pulsfrequenz auf Rekordwerte hochjagen. Denn je intensiver man trainiert, desto weniger Gewichtsabnahme erzielt man zusätzlich. Es liegt daran, dass der Körper bei einer moderaten sportlichen Belastung gleichmäßig Fett und Kohlehydrate verbrennt. Wenn aber athletische Höchstleistungen gefragt sind, reduziert der Körper die Fettverbrennung und greift stattdessen auf Eiweiße und Kohlehydrate aus dem sogenannten Glykogenspeicher der Muskulatur zurück, weil dieser die nötige Energie schneller zur Verfügung stellen kann als die Fett­zellen. Zu einem ausgewogenen Sportprogramm gehört außerdem auch Krafttraining. Denn Muskeln verbrennen Kalorien und helfen, die Gelenke und Bänder zu entlasten. Außerdem ist der gezielte Muskel­aufbau ein gutes Mittel gegen weitverbreitete Zivilisationskrank­heiten wie Rückenschmerzen.

Nicht zuletzt aus diesem Grund entscheiden sich viele für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio: „Die meisten Leute, die im Studio trainieren, wollen etwas für ihre Gesundheit tun“, sagt Refit Kamberovic, Hauptgeschäftsführer im größten deutschen Fitnessverband DSSV mit Sitz in Hamburg. Das hohe Gesundheitsbewusstsein der Sportsfreunde dürfte mit dem Alter zusammenhängen, denn der durchschnitt­liche Fitnessstudiogänger in Deutschland ist Ende 30.

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Menschen, die regelmäßig im Studio trainieren, von vier auf derzeit rund sieben Millionen gestiegen. In Berlin wird besonders fleißig trainiert, lobt Kamberovic: „Die Fitnessstudios sind in Berlin besser besucht als in den meisten anderen deutschen Großstädten.“ Vor allem am Jahresanfang, in der Zeit der guten Vorsätze, freuen sich die Studios über neue Mitglieder, die sich mit besonderen Angeboten ködern lassen. Elixia lockt im Januar und Februar die Interessenten mit einem Sondertarif ins Studio, Aspria mit einer günstigen Schnupperwoche für Paare, Holmes Place spendierte Newcomern im Januar drei Gratismonate. „Im Januar verzeichnen die Studios immer den größten Mitgliederzuwachs“, bestätigt Kamberovic.

Wer aus gesundheitlichen Gründen mit dem Training anfangen möchte, der sollte sich allerdings von solchen Schnäppchen nicht verführen lassen, sondern die unterschiedlichen Angebote und Konditionen sorgfältig prüfen. Wichtig sind vor allem ein individueller Eingangs­check und eine regelmäßige Trainingskontrolle durch kompetentes Personal. Genau die bieten viele Studios allerdings nicht. Bei Fitnessdiscountern wie dem Branchenführer McFit trainieren die Mitglieder oft ohne Aufsicht, aber auch bei teuren Anbietern hat Stiftung Warentest Mängel in der Trainerkompetenz und Mitgliederbetreuung festgestellt. Für Kamberovic keine Überraschung: „Die Qualität ist in den großen Fitnessketten oft schlechter als in kleineren, Inhaber-geführten Studios.“ Vorsicht sei gerade bei Fitnessdiscountern geboten: „Das ist nur was für Leute, die schon Trainingserfahrung mitbringen. Für Anfänger sind Billig­anbieter ungeeignet.“

Wer beim Sport abnehmen möchte, sollte sich vor allem nach der Qualifikation der Trainer erkundigen: „Ein guter Trainer kennt sich aus mit Dingen wie Stoffwechsel und Grundumsatz und kann zum Training die passenden Ernährungstipps liefern. Sechs Kilo weniger in zwei bis drei Monaten“, so der Fitness-Experte, das sei ein rea­listisches Ziel und mit ein bisschen Selbstdisziplin „absolut machbar“.

Text: Oliver Burgard

Katrin Hentschel hat das erste ­Berliner Bootcamp-Fitnessprogramm ins Leben gerufen. Im Interview erklärt sie, wie sich ihr Trainings­konzept von den rüden Methoden amerikanischer Trainer unterscheidet

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