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Klassiker-Bearbeitung

Karin Henkel inszeniert am Deutschen Theater „Rom“

Da spritzt das Theaterblut: Karin Henkel inszeniert am Deutschen Theater „Rom“, frei nach Shakespeare

Foto: Arno Declair

Der Abend beginnt mit einer schönen Szene und einem Missverständnis. Kate Strong, gesegnet mit der ganzen Größe und Kälte des britischen Empire, ein grandioser Vamp der Macht, bittet einen zögerlichen Knaben, doch endlich auf die Bühne und den bereit stehenden Stuhl zu kommen: „Come on, don’t be shy.“ Der Stuhl ist erst ein Vorgeschmack, die ehrgeizige Mutter sieht ihren Sohn (Michael Goldberg) auf dem Weg zum Thron. Um dem Ziel näher zu kommen, muss er sich durch blutige Schlachten kämpfen, jede Wunde ein Schritt näher zur Macht. Also macht sich der Chor der Mütter (Strong, Anita Vulesica, Bernd Moss) daran, den jungen Mann zur Karrierevorbereitung ordentlich mit Wunden einzudecken, dass das Theaterblut nur so spritzt.

So wird einer der mythologischen Sätze von Joseph Beuys zum Karriereratgeber: „Zeige deine Wunde.“ Die Zurichtung des Knaben zum politischen Zombie und Diktator in spe ist der Auftakt eines langen Theaterabends, der gleich drei Großwerke Shakespeares unter einer etwas verkürzenden These zusammenspannt. John von Düffel, der Klassiker-Verwerter, der literarische Werke mit ihrem Plot verwechselt, sozusagen ein Dramen-Schnellhefter, hat „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Kleopatra“ zu einer Trilogie der politischen Macht montiert: „Rom“. Die Zentralfiguren sind Coriolan, der das Volk verachtet und an der eigenen Machtgier scheitert, Cäsar, der ermordet wird, bevor er als Diktator die Macht an sich reißen kann, und der vom Macht- und Selbstekel gelähmte Antonius. Dass die Werke Shakespeares etwas komplizierter und echoreicher als ein Proseminar über Gefährdungen des Machtkampfes im antiken Rom sind, wird im Dienste der Übersichtlichkeit erfolgreich wegrationalisiert.

Dafür macht von Düffel die aktualisierenden Bezüge überdeutlich, was vor allem im ersten Teil mit den „Volksverräter“-Rufen, Coriolans offener Verachtung für die Rhetorik und die Kompromisse der Demokratie und der Sehnsucht nach einem starken Führer zwar etwas plakativ, aber schlüssig funktioniert. Die Verkürzung auf solche Schlagworte hat ihren Preis in der Banalisierung des Stoffs und der Figuren. Michael Goldberg als Coriolan und Julius Cäsar wirkt seltsam konturschwach. Manuel Harder macht aus Antonius einen verlebten Rocker, der aus den 1970er Jahren übrig geblieben ist. Nur dem kraftvoll spielenden Felix Goeser als am eigenen Verrat leidender Brutus gelingt es, seine Figur mit Tiefendimensionen seelischer Konflikte zu zeichnen. Selbst eine so starke Schauspielerin wie Anita Vulesica bleibt als Kleopatra eher eindimensional.

Insgesamt wirkt Karin Henkels Inszenierung in einem lieblos zusammengerümpelten Bühnenbild (Thilo Reurer), ein Wändelabyrinth auf der Drehbühne, seltsam unfertig, etwas fahrig und weit entfert von den atmosphärisch dichten Kunstwelten der gelungenen Henkel-Inszenierungen.

Termine: Deutsches Theater, 12 – 48 €

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