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Kommentar

Kate Tempest, Volksbühne und Antisemitismus – Ein Kommentar von Peter Laudenbach

Die britische Rapperin Kate Tempest hat ihren für Anfang Oktober geplanten Auftritt im Flughafen Tempelhof abgesagt. Grund dafür seien Drohungen gegen die Musikerin, erklärt der Veranstalter, Dercons neue Volksbühne

Eddie Otchere

Falls das stimmen sollte, wäre es ein weiterer Verfall der Umgangsformen. Drohungen gegen Künstler haben mit kritischer Auseinandersetzung nichts zu tun. Sie sind das Gegenteil davon, ein Instrument aus dem Repertoire von Anti-Demokraten aller Couleur. Auslöser des Shitstorms gegen Tempest war offenbar eine Glosse von Sibylle Berg, die Tempest auf „Spiegel online“ als „aufrechte, wütende Kapitalismuskritikerin“ und „glühende Israel-Boykottiererin“ bezeichnet hatte. Tempest hat einen Aufruf der anti-israelischen Organisation BDS („Boycott, Divestment, Sanctions“) unterzeichnet, die zum Boykott aller Veranstaltungen aufruft, an der Israelis oder von Israel unterstützte Künstler oder Wissenschaftler teilnehmen. „In der deutschen Politik gerät die BDS-Bewegung aufgrund ihres von Experten als antisemitisch charakterisierten Engagements zunehmend unter Druck“, schreibt dazu die „Jüdische Allgemeine“. Um die Debatte nicht weiter zu verwirren, ist es notwendig, Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Ursache dieser vergifteten Auseinandersetzung sind nicht die Kritiker von Kate Tempests antiisraelischem Engagement wie Sibylle Berg, sondern die Initiatoren des antiisraelischen Boykottaufrufs, den Tempest unterzeichnet hat.

Die CDU verabschiedete auf ihrem Parteitag Ende 2015 einstimmig eine Resolution gegen BDS: Dieser Aufruf zum Boykott sei „nichts anderes als plumper Antisemitismus, wie ihn schon die Nationalsozialisten instrumentalisiert hatten.“ Die Berliner SPD folgte Mitte dieses Jahres. Die Städte München, Frankfurt und Berlin haben beschlossen, die BDS-Bewegung zu ächten: Jeglichen Aktivitäten von Institutionen, Vereinen oder Einzelpersonen, die BDS unterstützen, sollen weder Räumlichkeiten der Stadt noch der städtischen Gesellschaften zur Verfügung gestellt oder Zuschüsse gezahlt werden. Aus dieser Perspektive muss man die bedauerliche Absage des Tempest-Konzerts begrüßen.

 

Peter Laudenbach

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