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Kommentar

„Kein Kreuz!“ von Stefanie Dörre

Der Kuppel des im Bau befindlichen Humboldt-Forums soll ein vergoldetes Kreuz aufgesetzt werden, um damit den äußeren Zustand des Schlosses von 1854 wieder herzustellen

Und offenbar auch das inneren Gleichgewicht all derjenigen, denen es doch etwas mulmig wird vor einem Deutschland, in dem Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten leben. Dann soll doch wenigstens das kulturelle Nationalgebäude das Symbol der christlichen Leitkultur tragen.
Das Kreuz als Muss der historischen Rekonstruktion hinzustellen ist bei einem Schloss, in dem der ganze Ostflügel zeitgenössisch wird, kein Argument. Hier ist der Punkt erreicht, an dem die neue Symbolik des Humboldt Forums  – als offenes, globales Haus, in dem alle Kulturen und Religionen gleich geachtet werden – eingelöst werden muss. Wir mögen ja (vielleicht) die Rekonstruktion historischer Bauformen. Historische Staats- oder Kirchenformen sollten jedoch der Vergangenheit angehören. Oder will hier jemand von einem Preußischen König regiert werden?
Tatsächlich wird das Zusammenleben in Berlin, in Deutschland und in der Welt von Menschen unterschiedlichen Glaubens in Zukunft nur gelingen, wenn die religiösen Symbole in die Gotteshäuser gehören und nicht auf staatliche Einrichtungen. Der Staat muss neutral sein. Wer von der muslimischen und der christlichen Lehrerin fordert, im Dienst keine religiösen Symbole zu tragen, der darf kein Kreuz auf das Humboldt Forum setzten. Denn das ist immer im Dienst.

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