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Elternsprecher: Hartz-IV-Satz zu niedrig

Schulkinder
Solange die Kinder noch sehr klein sind, am besten noch gestillt werden, halten sich die Kosten für sie noch in Grenzen. Außer trinken, schlafen, sauber sein und schmusen hat der Nachwuchs wenig Ansprüche. Das ändert sich mit dem Schuleintritt drastisch. Ein Ranzen kostet schnell einen dreistelligen Betrag. Körperlich aktive Kinder – aus Sicht der Volkswirtschaft ein positives Verhalten – verschleißen ihre Klamotten in Windeseile. Ganz abgesehen davon, dass sie schon aus Wachstumsgründen pro Jahreszeit eine komplette Ausstattung verbrauchen. Hinzu kommen noch Schulbücher, altersgerechtes Spielzeug, eine gesunde Ernährung, Ausgaben für Klassenfahrten und, einmal im Jahr, Tapetenwechsel in Form von Urlaub. Außerdem Aufwendungen für den Sportverein, das Sportequipment, Musikunterricht und Nachhilfe. Alles Posten, für die auch solche Eltern selbstredend zahlen, deren Einkünfte eher knapp sind. Schließlich sollen die Kinder ihre Talente entwickeln, Selbstdisziplin und -bewusstsein durch Erfolgserlebnisse gerade auch im außerschulischen Bereich aufbauen. Und lernen, ihren Körper und die Gedanken zu koordinieren.
Unzählige Studien haben bewiesen, wie nachhaltig gut das für sie ist. Und Nachhilfe? Die kriegt im Sekundarbereich inzwischen jedes vierte Kind: Es sind nicht die Doofen, die kostenpflichtig zusätzlich lernen, um einen vernünftigen Abschluss zu machen.
Für Kinder, die von Hartz IV leben müssen, bleiben jedoch alle Ausgaben für Bereiche, die ihre persönliche Entwicklung unterstützen, ein unerreichbarer Traum. Die 251 Euro, die für Kinder bis zu 14 Jahren gezahlt werden, reichen so schon kaum zum Leben aus. Deshalb gehört der Hartz-IV-Satz für sie natürlich deutlich he­raufgesetzt. Und sei es in Form von Gutscheinen für die Musikschule, den Sportverein oder für Nachhilfe. Damit langfristig endlich das Unterschichten-Bashing aufhören kann, mit denen sich Leute wie Thilo Sarrazin immer wieder gerne profilieren.

Text: Eva Apraku / Foto: Günter Havlena

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