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Die „Gänsemagd“ im Radialsystem

Die_Gänsemagdtip Worauf muss man besonders achten, wenn man für Kinder komponiert?
Iris ter Schiphorst Dass es nicht zu schwer wird. In keinerlei Hinsicht.
tip Das heißt?
ter Schiphorst In Bezug auf die Besetzung gab es die Vorgabe, mit allerhöchstens zehn Personen auf der Bühne und ohne Dirigenten auszukommen. Im Vorfeld haben wir uns alle über stilistische Fragen ausgetauscht. Wir finden, dass es zwischendurch auch ruhig mal richtige Lieder und poppige Elemente geben darf. Die Kinder im Publikum waren zwar immer mitgedacht, spielten aber beim Kompositionsprozess selbst gar keine so große Rolle.
tip Das Radialsystem startet mit der „Gänsemagd“ eine neue Reihe mit Kinderopern. Erreicht man Kinder damit überhaupt?
ter Schiphorst Aber ja! Bei der Uraufführung der „Gänsemagd“ letzten Monat in Wien konnte man sehen, wie sehr die Kinder mitgehen, Position beziehen und unmittelbar am Geschehen teilnehmen. Das war ein tolles Erlebnis.

tip Der Zugang von Kindern zu Musik scheint heutzutage eher über Castingshows im Fernsehen zu laufen. Kann eine Oper dagegenhalten?
ter Schiphorst Natürlich kann Kinderoper einen ganz anderen Zugang zur Musik bieten, sie verwebt Musik mit einem für Kinder interessanten Inhalt. Davon abgesehen stellt sich mir in diesem Zusammenhang die Frage, ob wir das Bedürfnis zu singen, das ja offenbar vorhanden ist, oder auch das Bedürfnis nach Liedern ganz und gar der Unterhaltungsindustrie überlassen wollen. Ist es nicht vielleicht für Komponis­ten an der Zeit, über Melodie (in der Neuen Musik ja eher ein Schimpfwort) und Lied noch einmal neu nachzudenken?

tip Wie wichtig ist Singen für Kinder?
ter Schiphorst Singen halte ich für etwas ganz Elementares und Wichtiges, in jederlei Hinsicht – und finde es wahnsinnig schade, nein: fahrlässig, dass immer weniger mit Kindern gesungen wird. Manchmal glaube ich, dass das auch mit dem gestörten Verhältnis der Deutschen zu ihrem Liedgut zusammenhängt. In meiner Familie war Singen etwas ganz Normales, wenn wir zum Beispiel einmal im Jahr mit dem Auto zu unseren Großeltern nach Holland fuhren, haben wir auf dem langen Weg dahin die ganzen Lieder geschmettert, die wir konnten.

tip Welche klassischen Komponisten sind denn besonders kindgerecht?
ter Schiphorst Ich kenne Kinder, die gerne Bach hören, andere Debussy oder Mozart, ich selbst mochte als Kind Beethoven am liebsten. Kinder sind für vieles offen, übrigens auch für die sogenannte Neue Musik. Man muss es ihnen einfach nur zu hören geben.

tip Die „Gänsemagd“ ist dabei auf den ersten Blick eher schwe­rer Stoff. Eine Prinzessin, die ganz alleine auf sich gestellt ist und von ihrer Magd hintergangen wird. Und ihr bester Freund, ein Pferd, wird ermordet.
ter Schiphorst Ja, das stimmt; die Prinzessin gerät in höchste Seelennöte, wird betrogen und verraten. Das sind Abgründe an Traurigkeit und Verlust und manchmal schwer aushaltbar für Kinder. Dafür bzw. dagegen gibt es in unserer Oper aber auch sehr heitere, sehr komische Momente. Den alten lustigen König, einen etwas trotteligen Prinzen und natürlich Falada, das von allen Kindern geliebte Pferd.

tip Am Ende wird allerdings die Magd in einem Fass voller Nägel zu Tode geschleift.
ter Schiphorst Das ist bei uns aus wohl einsehbaren Gründen nicht ganz so drastisch. Dennoch: Die Magd ist eben die Böse, sie muss hart bestraft werden, Märchen sind da ganz eindeutig! Und Kinder sehen das genauso! Sie finden diesen Schluss gerecht.
Interview: Björn Trautwein
Fotos: Pia Clodi

Termine: Die Gänsemagd (für Kinder ab 7 Jahre)
im Radialsystem V, Holzmarktstraße 33, Friedrichshain, Fr 12.3., 18 Uhr, Sa 13., So 14.3., 16 Uhr
Ticket-Tel. 288 78 85 88

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