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Barrie Kosky inszeniert Reimanns „Lear“ im Flughafen Tempelhof

Barrie Kosky bringt Aribert Reimanns „Lear“ in den Tempelhofer Hangar 4 – nach Kupfer und Neuenfels ist es die dritte Inszenierung an der Komischen Oper – mit Scott Hendricks und einem Allstar-Ensemble
Text: Kai Luehrs-Kaiser
Veröffentlicht am: 02.09.2026
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Aribert Reimanns „Lear“ © Jan Windszus Photography

Wer hätte gedacht, dass Aribert Reimanns „Lear“ einmal als ultimatives Meisterwerk der zeitgenössischen Oper gelten würde? Die Komische Oper ist dabei Marktführerin mit der inzwischen dritten Inszenierung. Nach Harry Kupfer und Hans Neuenfels wünschte sich jetzt auch Barrie Kosky das Werk – und macht im Hangar 4 des Flughafens Tempelhof ein Mega-Event daraus. Das ist groß und richtig gedacht. Weil die wüste, sturmgepeitschte Heide im Stück eine weite Bühne vertragen kann. Und weil die Komische Oper schon mit Henzes atonalem „Floß der Medusa“ hier einen Satelliten-Großerfolg verbuchte.

Figuren, um die es eng wird

Freilich, sonderlich originell ist die Wahl damit auch nicht. Lear-Darsteller Scott Hendricks war schon Protagonist der Fritz-Lang-Oper „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (Musik: Moritz Eggert). Mit Nicole Chevalier (Regan), Günter Papendell (Gloster) und Dagmar Manzel (als Narr) wird fast so etwas wie ein KO-Allstar-­Ensemble gebildet.

Uraufgeführt 1978, komponierte der damals noch weniger bekannte Reimann seinen „Lear“ für Dietrich Fischer-Dieskau. Seitdem haben etliche große Baritone – von Bo Skovhus bis Christian Gerhaher – die Rolle übernommen. Auf die Frage, wie er es sich erkläre, dass er einer der wenigen Komponisten mit heißem Draht zum Publikum sei, antwortete Reimann vor Jahren: „Wir spielen nun einmal nicht für leere Stühle.“ Das Publikum sei der entscheidende Adressat für ihn. Als Erfolg betrachte er ein Werk erst dann, „wenn es beim zehnten Mal wiederkommt“.

„Lear“ nun hat inzwischen weit über 20 Produktionen erlebt. Ihn interessierten nur Figuren, um die es eng wird, so Reimann. Das ist ein Abdruck seiner Biografie: „Ich habe 1945 diesen furchtbaren Angriff auf Potsdam miterlebt. Wir saßen im Keller und waren erstaunt, dass wir überlebt haben.“ Sein „Lear“ wird leben, so lange die Oper lebt.

Komische Oper im Flughafen Tempelhof Columbiadamm 10, Tempelhof, Mi 16.9., Fr 18.9., So 20.9., Di. 22.9., Do 24.9., Sa 26.9., Di 29.9., Do 1.10., Sa 3.10., jeweils 19.30 Uhr, Karten 14–110 €


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