Weltumarmung: Ein Abend für Gert Thumser im BKA

Gert Thumser, kein Zweifel, war ein Genie. Fast abfällig über sich selber lächelnd, schien der schwer übergewichtige Mann die Bühne widerwillig zu betreten. Abschätzig auch blickte er ins Publikum. Am Klavier angekommen, öffnete sein überbreites Lächeln das Gesicht zu einem Ausdruck der Weltumarmung und Weltverschlingung – mit kapitaler Lücke zwischen den Schneidezähnen. Das Lachen, das er dafür bekam, verriet Erleichterung.
Ob als Begleiter von Cora Frost oder im Duett mit Ades Zabel und Bob Schneider: Die Lust am tanzend Performativen konnte unbändig aus ihm herausbrechen. Unvergessen seine ekstatische Version des Partykrachers „Es war in Königswinter/nicht davor und nicht dahinter“. Als Thumser vor zehn Jahren in „Frau Luna“ den Gott Mars spielte (neben Cora Frost als Venus), äußerte sein Bühnenpartner Thomas Pigor auf die Frage, ob er sich in diesem Allstar-Ensemble vor irgendjemandem fürchte: „Ja, vor Gert Thumser! Der hebt nur den Finger, und ich verkriech mich.“
Genau eine Woche vor der Wiederaufnahme der „Frau Luna“ starb dieser liebenswürdige Mann, nach Jahren der Krankheit, mit 67. Es war einsamer um ihn geworden als man es sich wünscht. Seine Band „Beauties on Duty“, sein Duett „Zero Tolerance – Wenn Frauen richtig hassen“ und sein Solo „Gott vergibt – Paula nie!“ werden bleiben. Ebenso das Album „Zeit ist ein Arschloch“. Zum Abschiedsabend „Für immer eure Puppe“ haben sich – neben Cora Frost, Ades Zabel und Bob Schneider – angesagt: Monty Arnold, Biggi van Blond, Arnulf Rating und Thomas Hermanns.