Das Ensemble KNM Berlin untersucht Kreisformen nach Morton Feldman

Morton Feldmans Spätwerk „Crippled Symmetry“ webt 90 Minuten lang Klänge um den Gegensatz von Symmetrie und Asymmetrie. 1984 wurde das Werk für Flöte, Bassflöte, Vibraphon, Glockenspiel, Klavier und Celesta in der Akademie der Künste in Berlin uraufgeführt. Es war das letzte einer Reihe von Werken ähnlicher Länge, bevor der Großmeister mit der Glasbaustein-Brille 1987 starb. Feldman gehört in eine Reihe mit kultisch verehrten Komponisten wie John Cage, Stockhausen und Messiaen, die ihre modernen Werke mit einer Aura ausstatteten. Anders als die beiden Letzteren bezog Feldman seinen Nimbus indes nicht aus einem religiösen Impetus, sondern aus meditativer Ruhe und Gelassenheit.
Das Ensemble KNM Berlin (steht für Kammerensemble Neue Musik) kann als führende Feldman-Truppe gelten. Das 1988 in Ost-Berlin von Eisler-Studenten Juliane Klein und Thomas Bruns gegründete Sextett engagiert sich für die Speerspitze der Avantgarde, sei diese nun von heute oder auch nur von gestern. Auflösung der Formen ist Ehrensache. So nimmt das dreitägige Festival „Crippled Symmetry“ das Werk von Feldman zum Ausgangspunkt etlicher Variations- und Recyclingprojekte von Petra Strahovnik, Tristan Perich, Ana María Rodríguez und Juan Felipe Waller. Es geht um Kreisformen und musikalische Trauma-Forschung. Einige Musiker beziehen sich auf die schamanische Gut-Tradition in der südkoreanischen Hafenstadt Busan. Wir empfehlen: einfach irgendwo reinspringen. Man wird dann schon weitergestrudelt.