Böhmische Seufzer: Jakub Hrůša dirigiert die Berliner Philharmoniker

Hinter den musikalischen sieben Bergen, von denen Dvořák und Janáček die tschechisch höchsten und schönsten sind, gibt es noch mehr. Worin besteht das Besondere dieses böhmisch-mährischen Kosmos? Nun, in einem romantisch verdunkelten, erzählerisch verzackten Naturbezug. Das scheinen alles Tondichtungen zu sein – dem Wald und seinen Mittelgebirgen abgezweigt. Für all diese Dinge gibt es derzeit keinen besseren Anwalt als den aus Brünn stammenden Dirigenten Jakub Hrůša.
Jakub Hrůša ist der künftige Chef der Tschechischen Philharmonie
Als künftiger Chef der Tschechischen Philharmonie (und Musikdirektor am Londoner Covent Garden) ist Hrůša der international am höchsten gestiegene tschechische Dirigent überhaupt (nach Rafael Kubelik). Für ihn scheint ein gewisser Naturton die stets maßgebliche Größe. Womit er bei dem hier gemeinten Repertoire richtig ist – bei den blitzenden und glamourös gleißenden Berliner Philharmonikern aber auch vor einer gewissen Herausforderung stehen könnte. Der von Karajan geprägte Klang dieses Orchesters ist hypergestylt. Aber nicht unbedingt sehr natürlich.
Mit Werken wie der 1. Symphonie von Bohuslav Martinů, der Violinfantasie von Josef Suk (Solistin: Julia Fischer) und der „Suita rustica“ der Martinů-Schülerin Vítězslava Kaprálová dirigiert Hrůša Werke, die bei uns kaum jemand kennt. Damit bestätigt sich, dass die Berliner Philharmoniker ihr derzeit vorzügliches Standing zur Ausweitung des Repertoires gut nutzen. Vorzügliche Chancen für Quereinsteiger, Karten zu ergattern und einen Blick in magische Landschaften zu werfen, in denen es seufzt, unkt und ruft.