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Klassische Konzerte in Berlin: An diesen Orten spielt die Musik

Kaum eine Stadt Deutschlands bietet ein so vielfältiges Angebot für klassische Konzerte wie Berlin. Von der geschichtsträchtigen Staatsoper über die architektonisch und akustisch spannende Philharmonie bis hin zu kleineren Kulturzentren wie der Villa Elisabeth: Wir verraten euch, in welchen Häusern ihr das Programm für den nächsten Konzertbesuch auschecken solltet.


Komische Oper: Eine Oper für die Menschen

Die Komische Oper ist das kleinste der Berliner Opernhäuser, über die Qualität der Inszenierungen sagt das aber nichts aus – im Gegenteil! Foto: Jan Windszus Photography

In der Behrenstraße hat sich viel gewandelt im Laufe der vergangenen Jahrhunderte: Ab 1764 das Theater in der Behrenstraße, nach dessen Abriss das Theater Unter den Linden im neobarocken Stil, dann das Metropol-Theater, das unter den Nazis geschlossen werden musste und schließlich die 1947 neueröffnete Komische Oper. Aber die Vision ist die Zeit über gleichgeblieben. Die Inszenierungen sind zeitgemäß und publikumsnah – deshalb auch „komisch“! Der Name lehnt sich an die Tradition der französischen Opéra comique an: Die steht nicht unbedingt für Komik im Sinne einer komödiantischen Oper, sondern für Publikumsnähe.

  • Komische Oper Berlin Behrenstraße 55–57, Mitte, mehr Infos online

Waldbühne: Open-Air mit besonderer Akustik in der Murellenschlucht

Im Sommer treten in der Waldbühne die Berliner Philharmoniker sowie das West-Eastern Divan Orchestra zu Konzerten zwischen den Saisons auf. Foto: Imago/Future Image

Aus randvollen S-Bahnen drängen bis zu 22.000 Gäste Richtung Waldbühne: zum jährlichen Sommerkonzert der Berliner Philharmoniker, einem Auftritt von Herbert Grönemeyer, der Show von Otto oder auch mal für einen Kinoabend unter freiem Himmel. Im Talkessel umgeben von Waldkulisse hat ein Film wie Jurassic Park noch einmal eine ganz andere Wirkung.

Die Waldbühne wurde zur Zeit des Nationalsozialismus ursprünglich für die Olympischen Spiele gebaut: für Turnwettkämpfe, aber vor allem auch das Rahmenprogramm. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden hier verschiedenste Veranstaltungen statt, bis 1965 ein Konzert der Rolling Stones so ausartete, dass die Waldbühne jahrelang nicht mehr zu nutzen war. Inzwischen ist die Freiluftbühne in der Murellenschlucht international bekannt und in der Sommersaison nicht nur Spielort für Rock, Pop und Klassik, sondern Veranstaltungen jeder Art. Ein klassisches Highlight sind die Sommerkonzerte der Berliner Philharmoniker und auch Daniel Barenboims jährlicher Auftritt mit dem West-Eastern Divan Orchestra.

  • Waldbühne Berlin Glockenturmstraße 1, Charlottenburg, mehr Infos online

Unter prunkvollen Kronleuchtern im Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Am Gendarmenmarkt steht groß und prunkvoll das Konzerthaus Berlin mit dem Schiller-Denkmal am Fuße der Freitreppe. Rechts davon befindet sich der Französische Dom. Foto: Felix Löchner/Sichtkreis

Das Konzerthaus Berlin ist eine der namenhaften Adressen für klassische Musik in Berlin. Das beeindruckende Gebäude am Gendarmenmarkt wurde von Karl Friedrich Schinkel ursprünglich als Königliches Schauspielhaus entworfen, heute besuchen die Gäste den klassizistischen Bau für Konzerte. Das Innere des Gebäudes stammt auch aus der Schinkel-Zeit? Könnte man denken. Tatsächlich wurde es erst in den 1970er Jahren entworfen – ahmt aber den Schinkel-Stil nach. Mehr Wissenswertes zum Konzerthaus, seinen Sälen und dem Konzerthausorchester findet ihr hier.

  • Konzerthaus Berlin Gendarmenmarkt, Mitte, mehr Infos online

Zitadelle Spandau: Kultur in der Festungsanlage

Neben der Historie lohnt sich der Besuch der Zitadelle Spandau auch für das Kulturprogramm. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Für geschichtsbegeisterte Konzertgänger ist auch die Zitadelle Spandau einen Besuch wert: Im Gotischen Saal der Festung finden Konzerte für Alte Musik, Kammermusik und Chorkonzerte sowie verschiedene andere Veranstaltungen statt. Seine Backsteinmauern und die holzverkleidete Decke tauchen den Saal in eine besondere, historische Atmosphäre.

Aber auch andere Räumlichkeiten der Zitadelle werden mit klassischer Musik bespielt – seitdem die Ära der lärmenden Flugzeuge über Spandau vorbei ist, können sogar Konzerte im Außenbereich der Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert stattfinden. Geschichtliches und Wissenswertes zur Zitadelle Spandau allgemein könnt ihr hier erfahren. Vielleicht lohnt sich der Ausflug nach Spandau auch, um ein bisschen Natur zu erleben: Inspiration für Spaziergänge durch den Randbezirk Spandau könnt ihr hier sammeln.

  • Zitadelle Spandau Am Juliusturm 64, Spandau, mehr Infos online

Berliner Philharmonie: Beste Akustik im schönsten Konzertsaal

Zwischen Sony-Center und Tiergarten steht seit den 1960er Jahren die Berliner Philharmonie: Aus dieser Perspektive sieht sie vielleicht aus wie ein Zirkuszelt, von einer anderen Seite könnte sie aber auch an ein riesiges Schiff erinnern. Foto: Imago/Pop-Eye

Wie ein gelbes Zelt ragt die Philharmonie in den Berliner Himmel. Mit ihren verschiedenen segelartigen Elementen sieht sie aus jedem Blickwinkel anders aus – irgendwie fröhlich und edel. Das soll wohl auch der Plan des Architekten Hans Scharoun gewesen sein, der das Gebäude eigentlich in Anlehnung an den lustigen Harlekin der Commedia Dell’ Arte etwas bunter gestalten wollte.

Die Philharmonie sollte ein Konzertsaal für die Musik und den Menschen werden – so kam es zu der untypischen Form, bei der das Podium mittig platziert ist und sich die Zuschauenden teils gegenübersitzen. Ein wunderschöner Saal mit hervorragender Akustik ist entstanden und gleich anbei ein zweiter: der Kammermusiksaal.

Die Berliner Philharmoniker sind weltweit eins der besten Orchester und haben sich im vergangenen Jahrhundert vor allem unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan einen Namen gemacht. Mehr zur Philharmonie und ihrer Geschichte lest ihr hier.

  • Berliner Philharmonie Herbert-von-Karajan-Straße 1, Mitte, mehr Infos online

Staatsoper Unter den Linden: Opernhaus mit Tradition

Die Staatsoper Unter den Linden liegt in einer Umgebung von Museen, Kulturhäusern und der Humboldt-Universität. Der Opernbesuch lässt sich wunderbar mit einem Ausflug auf die Museumsinsel verbinden. Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener

Die Staatsoper Unter den Linden eröffnete 1742 und ist damit das älteste Opernhaus Berlins. Wer sich für preußische Architektur interessiert, sollte einen Blick in unsere Liste der 12 Baumeister werfen, die Berlin besonders geprägt haben. Auch das hauseigene Orchester, die Staatskapelle, kann mit seiner 450-jährigen Geschichte auf eine lange Tradition zurückblicken. Der Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff schuf mit dem prächtigen Gebäude das seinerzeit größte freistehende Opernhaus in Europa – die Akustik war damals aber noch nicht so optimiert wie heute. Deshalb wurde ab den 1990er eine elektronische Anlage zur Nachhallverlängerung verwendet.

Zwischen 2010 und 2017 wurden die Berliner nicht mehr in die Staatsoper Unter den Linden geladen, sondern in die Staatsoper im Schillertheater. Mit gutem Grund: In dieser Zeit wurde die Decke des Saals auf Wunsch des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim um etwa vier Meter angehoben, um die Nachhallzeit auch ohne Optimierungsanlage zu verlängern.

  • Staatsoper Unter den Linden Unter den Linden 7, Mitte, mehr Infos online

Die Schwartzsche Villa: Ein beinah unscheinbares Kulturzentrum

Stattlich steht die Schwartzsche Villa direkt gegenüber vom Rathaus Steglitz. Foto: Imago/Schöning

Erst ein Sommersitz für den Bankier Carl Schwartz, nach dem Zweiten Weltkrieg ein Waisenhaus, heute ein Kulturzentrum – und Café: auf der Terrasse auf der Rückseite der Schwartzschen Villa kann man herrlich sitzen, essen, trinken und plauschen. Neben den beiden Salons, die für Konzerte und Lesungen von Veranstaltern angemietet werden können, beherbergt die Schwartzsche Villa auch eine Galerie, ein Zimmertheater, ein Kaminzimmer für Sitzungen sowie ein Atelier unterm Dach, eine Radierwerkstatt und ein Fotolabor. Der Ausflug zu Schwartzschen Villa lohnt sich also nicht nur für einen musikalischen Abend!

  • Schwartzsche Villa Grunewaldstraße 3, Steglitz, mehr Infos online

Kultureller Austausch im Pierre Boulez Saal

Es wirkt als wäre jeder Platz unmittelbar an der Bühne. Gehry schuf einen Saal, in dem sich Publikum und Musiker:innen ganz nah sind. Foto: Imago/PEMAX

Wo früher einmal die Kulissen der Staatsoper Unter den Linden deponiert wurden, werden heute Gäste zu Konzerten eingeladen. Der Architekt Frank Gehry baute einen ovalen Saal in das alte Gebäude. Im Pierre Boulez Saal in der Französischen Straße finden Konzerte für klassische Kammermusik, aber auch Zeitgenössisches, arabische Musik oder Jazz statt.

Der 2017 eröffnete Saal gehört zur Barenboim-Said-Akademie, die besonders Musizierende aus dem Nahen Osten fördert. Mit der Akademie und dem West-Eastern Divan Orchestra hat Daniel Barenboim zusammen mit Edward Said einen völkerverständigenden Ort geschaffen, an dem Respekt und Toleranz herrschen. Mehr zum Pierre Boulez Saal, der Barenboim-Said Akademie und dem West-Eastern Divan Orchestra erfahrt ihr hier.

  • Pierre Boulez Saal Französische Straße 33D, Mitte, mehr Infos online

Dinieren wie im Barock in der Orangerie vom Schloss Charlottenburg

Wie Fürst:innen von vor mehr als 200 Jahren darf man sich bei den Residenz Konzerten in der Großen Orangerie am Schloss Charlottenburg vom Zeremonienmeister durch den Abend leiten lassen. Foto: Imago/Eventpress

Zügigen Schrittes eilen die Bediensteten durch die Orangerie des Schloss Charlottenburgs, um den Gästen ihr Diner zu servieren. Der Zeremonienmeister kündigt die Musik an: In ausladenden Kostümen tritt das Berliner Residenz Orchester auf die Bühne und setzt den Bogen an zu Mozart, Bach und Vivaldi. Eine musikalische Soirée aus längst vergangenen Zeiten könnte man denken – findet aber heute statt!

Die Große Orangerie vom Schloss Charlottenburg lädt ein zu musikalischen Abenden in historischem Ambiente. Wie der Hochadel von vor mehreren Jahrhunderten können die Gäste traditionelle Köstlichkeiten verspeisen und anschließend dem musikalischen Programm aus Stücken der Barockzeit und der Wiener Klassik lauschen. Infos zum Schloss Charlottenburg und anderen Sehenswürdigkeiten des Stadtteils findet ihr hier.

  • Große Orangerie Schloss Charlottenburg Spandauer Damm 22, Charlottenburg, mehr Infos online

Haus des Rundfunks: Konzerte im Sendesaal

In den Sendesälen des Haus des Rundfunks wird nicht nur geprobt und aufgenommen: Es finden auch regelmäßig öffentliche Konzerte statt. Foto: Imago/Joko

„Haus des Rundfunks“ prangt in großen Lettern über dem Eingang des von Hans Poelzig entworfenen Klinkerbaus in der Masurenallee. Mehr über Berliner Architektur des Expressionismus könnt ihr hier erfahren. Seit 1931 wird aus der Rundfunkzentrale gesendet, seit 2003 ist der Gebäudekomplex Sitz des Rundfunks Berlin-Brandenburg, dem rbb. Zu DDR-Zeiten war das Haus samt Berliner Rundfunk unter sowjetischer Kontrolle. Als es 1956 schließlich dem Berliner Senat übergeben wurde, fehlte ein Großteil der Technik – die wurde jetzt im neuen Funkhaus im Osten genutzt. Außerdem war die Einrichtung teilweise zerstört – sowjetische Wächter hatten das Holz als Heizmaterial verwendet.

Nach einer gründlichen Renovierung zog der Sender Freies Berlin in den Komplex ein. In den 1980er Jahren musste ein Teil der Renovierungsarbeiten allerdings wegen des Denkmalschutzes wieder auf den ursprünglichen Stand zurückgesetzt werden. Berlin und das Radio: 10 Jahre Rundfunkgeschichte in Stadt und Umland lest ihr hier.

  • Haus des Rundfunks Masurenallee 8–14, Charlottenburg, Infos zu Veranstaltungen online

Deutsche Oper: Schlichte Eleganz für den Fokus auf die Aufführung

Nicht nur aus der Fensterfront heraus hat man einen tollen Ausblick. Auch Passanten auf der Straße können in das Foyer der Deutschen Oper hineinschauen. Foto: Imago/DRAMA-Berlin.de

Seit den 1960er-Jahren ragt die Fassade der Deutschen Oper mit einer Metallskulptur von Hans Uhlmann an der Bismarckstraße empor. Vielleicht zu massiv für manch einen Geschmack, aber die Wand schützt den Saal vor dem Straßenlärm und seitlich ist das Gebäude durch eine Glasfassade geöffnet, die von den Foyers aus den Blick auf die Stadt freigibt. Der Saal ist mit seiner Holzverkleidung edel, aber recht schlicht gehalten: Es soll um die Musik und die Aufführung gehen, nicht um Prunk. Das Orchester der Deutschen Oper ist besonders bekannt für sein Wagner-Repertoire, weshalb viele der Musiker:innen auch für die Bayreuther Festspiele angeworben werden.

  • Deutsche Oper Berlin Bismarckstraße 35, Charlottenburg, mehr Infos online

Villa Elisabeth: Vom Gemeindehaus zum Kulturzentrum

Die Villa Elisabeth liegt direkt neben der Kirche St. Elisabeth in Mitte. Foto: Stefan Melchior

Helles Licht fällt durch die großen Fenster und taucht den Parkettsaal mit den stuckverzierten Säulenbögen in eine leichte, offene Atmosphäre. Ursprünglich hat der Architekt Adolf Brückner die Villa 1907 als Gemeindehaus für die Schinkel-Kirche St. Elisabeth gebaut, die im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde. Heute ist die Villa Elisabeth in der Invalidenstraße ein vielfältiger Ort für Kultur: In den Räumen werden neben klassischer Vokal- oder Kammermusik zeitgenössische und experimentelle Musik sowie Tanz- und Musiktheater aufgeführt. Das denkmalgeschützte Gebäude öffnet seine Flügeltüren auch für musikalische Nachwuchsprojekte.

  • Villa Elisabeth Invalidenstraße 3, Mitte, mehr Infos online

Mehr zum Thema

Die meisten klassischen Konzert- und Opernhäuser befinden sich in Mitte, wo man an jeder Ecke ein Wahrzeichen Berlins erblickt: Die 12 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Berlin – die ultimative Touri-Checkliste. Eine weitere Besonderheit von Mitte: Die Berliner Museumsinsel – Kulturbegeisterte sind hier goldrichtig. Außerdem bietet die Gegend auch kulinarische Highlights, an denen man den Konzertabend wunderbar ausklingen lassen kann: Gute Restaurants in Mitte – von schnell und lecker bis zum Edel-Menü.

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