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„Knalltüten“ von Eva Apraku

Jedes Jahr ist es das Gleiche. Wer sich am 1. Januar gegen Mittag aus dem Bett gequält hat, um bei einem Spaziergang an der frischen Luft die letzten Spuren einer rauschenden Silvester-Party zu vertreiben, erlebt ein Bild der Verwüstung: Von Regen oder Schnee aufgequollene, zerrissene Knallerhüllen tapezieren die Berliner Bürgersteige, Straßen und Parkflächen. Dazu umgefallene oder zersplitterte Sektflaschen, die Startrampen vom Vorabend – soweit das Auge reicht.
Einmal im Jahr entdeckt so mancher Hauptstädter den Proll in sich und lässt so richtig die Sau raus. Erst wird ordentlich gebechert und anschließend geballert, was das Zeug hält. Ohne Rücksicht auf eigene und fremde Verluste: Von den rund 500 Verletzungen, die die Feuerwehr zum Jahreswechsel 2014/ 2015 verzeichnete, waren etwa 50 Prozent fremdverschuldet. Dumpfbacken sprengen sich als „Mutprobe“ nicht nur ihre eigenen Gliedmaßen weg.  Sie werfen ihre Knaller auch gerne in Menschenmengen und freuen sich diebisch, wenn diese in Panik geraten. Angesichts von Rauchschwaden und dicht an Häuserwänden entlang fliehenden Menschen wirkt so mancher Berliner Bezirk, als sei gerade ein Bürgerkrieg ausgebrochen.
Höchste Zeit, die Silvesterknallerei – wie es zuletzt auch grüne Politiker vorgeschlagen haben – einzuschränken. Mein Favorit: Geknallt wird nur noch an zentralen Stellen – von Profis. Die Feuerwerke gewiefter Pyrotechniker sind nicht nur sicherer und sauberer. Sie explodieren auch deutlich prächtiger als die von frei drehenden Knalltüten herum geworfenen Böller.

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