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Kommentar zu der Berliner Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024

Erik Heyer

Verspüren die beim Senat eigentlich großen Spaß an Bürgertritten in die politischen Weichteile?  Gerade erst wurde das Tempelhofer Feld von Masterplänen freigeräumt. Und schon ist Klaus Wowereits Truppe drauf und dran, sich den nächsten Ärger an den Hals zu regieren. Noch vor der Sommerpause soll über eine Berliner Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Berlin beraten werden.  
Eine jetzige Olympia-Debatte, wo man dem Senat kaum noch eine Baulücke anvertrauen möchte, kann man sich nur mit masochistischen Vorlieben erklären. So jemand bettet sich privat sicher auch gern aufs Nagelbrett. Nur wenn es wehtut, spürt man sich noch.
Man denke nur an Berlins Bewerbung für Olympia 2000: Murphys Gesetz in Serie. Was schiefgehen konnte, ging richtig schief. Dürftig talentiertes Werber-Personal, Intimdossiers über IOC-Mitglieder, eine „NOlympia“-Aktivistenfront mit Freude am Groben. Am Ende wurde Berlin Vorletzter. Vom Fest der Fußball-WM 2006 bleibt als nachhaltigste Folge nur, dass internationale Immobilieninvestoren auf die Stadt aufmerksam wurden. Wer Berlins Politiker allesamt für machtgierig, korrupt und verlogen hält, braucht für das IOC ein paar ganz neue Charakterisierungen.
Warum sich Klaus Wowereit mitten im tiefsten Umfragekrater ein neues zündstoffreiches Symbolprojekt draufschafft, sollte ihm eigentlich selbst ein Rätsel sein.
Das vielleicht wichtigste Argument gegen Olympia 2024 aber ist: Olympia. Die Faszination des Sports, trotz Profitgier, Doping, Korruption. Die Chance, auch den Breiten-, den Amateursport einzubeziehen. Der ja fast nur noch auffällt, wenn ein Kreisklassen-Treter seinem Schiedsrichter eine reinzimmert. Die Chance auch, bei einer partizipativen Mitgestaltung jene neuen Wege zu gehen, die eine engagierte Stadtgesellschaft jetzt hoffentlich endlich entwickeln kann.
So käme nicht Olympia 2024 für Berlin zu früh. Aber die Bewerbung 2014. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesem Senat um die Ohren fliegt, scheint größer denn je. Dann sind für Berlin auf Jahre die Olympischen Spiele gelaufen. Es wäre schade. Vielleicht arbeitet die Koalition besser erst mal die anderen Baustellen ab, mit olympischer Disziplin, anstatt das nächste Riesenschlagloch aufzumachen. Übrigens: Eine Flughafeneröffnung lässt sich verschieben. Die Olympischen Spiele nicht.

Text: Erik Heier

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