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Konzept für Kultur und Sport: So wollen Experten Publikum ermöglichen

Die Frustration in Berlins Kulturszene wächst nach Monaten des zweiten Lockdowns täglich. Aber, typisch Berlin, die Umstände werden nicht einfach hingenommen. Resignation passt nicht zur Hauptstadt – und der Kulturbetrieb tut alles, um das Corona-Schicksal wieder mehr selbst in die Hand zu nehmen. 20 Personen mit besonderen Expertisen haben gemeinsam einen integrierten Ansatz erarbeitet, der Publikumsevents möglichst zeitnah realistisch umsetzbar machen soll – sicher und mit quasi keinem Ansteckungsrisiko. Unterstützt wird das Projekt von kleinen und großen Bühnen Berlins, Organisationen, aber auch großen Namen der Sportwelt.

Konzept für Kultur und Sport. Zum Beispiel das Theater an der Parkaue: Seit Monaten kein Zutritt. Ein umfassendes Konzept soll die Politik nun von der Öffnung fürs Publikum überzeugen. Foto: Imago Images /Photothek

Theater, Hallen und Sport-Verbände kämpfen mit Konzept für Publikum

Berliner Kulturinstitutionen von Gorki-Theater bis Berliner Ensemble, von Deutscher Oper bis Friedrichstadt-Palast unterstützen die Aktion. Mit dabei sind auch Veranstaltungsorte wie die Max-Schmeling-Halle, die Mercedes-Benz-Arena und die Verti-Music-Hall. Aus dem Sport-Bereich kommen Berlin Marathon und der Deutsche Fußball-Bund DFB hinzu. Aber auch große Nicht-Berliner Player wie der Olympiapark München und die Lanxess Arena in Köln haben sich an dem Vorstoß beteiligt.

20 renommierte Expert*innen aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen – unter anderem Infektiologie und Virologie, Raumlufttechnik, Gesundheitsökonomie, Sportmedizin und Kultur sowie Rechtswissenschaftler – haben ein modulares Konzept für Events verschiedener Art entwickelt. Es beinhaltet ein Basiskonzept, das eine Auslastung einzelner Veranstaltungsorte von 25 bis 40 Prozent ermöglichen würde. Das 20-seitige Papier soll eine Grundlage für weitergehende politische Entscheidung in Sachen Lockdowns sein: „In der nächsten – und hoffentlich abschließenden – Phase der Pandemie geht es nun darum, einen intelligenten, schrittweise erfolgenden und auch innovativen Weg zurück zur Normalität zu finden“, heißt es in dem Papier.

Expertise aus verschiedenen Wissenschaften: Kommt das Publikum zurück zu Kultur und Sport?

Dadurch würden „Arbeitsplätze im Event- und Kulturbereich gesichert und Künstlern und Sportlern wieder die Grundlagen ihres Schaffens zurückgegeben sowie ein gesellschaftlicher Beitrag zur Rückkehr in eine Normalität geleistet“. Das Basishygienekonzept und die speziellen Hygienekonzepte dienten „dem kollektiven Infektionsschutz, aber auch dem berechtigten individuellen Anspruch der Besucher und Teilnehmenden auf eine sichere Veranstaltung in Zeiten der Corona-Pandemie“.

Ein Teil des Konzepts sind auch Hygienemaßnahmen, zudem werden Teststrategien erörtert.

Volleyball-Spiel in der Max-Schmeling-Halle – kann das erarbeitete Konzept den Besuch der Spiele wieder sicher machen? Foto: Imago Images/Gora

40 Institutionen, 20 Wissenschaftler– und ein Wunsch an die Politik

„Mit ihrem Konzept präsentieren die etwa 20 beteiligten Wissenschaftler*innen und Expert*innen sowie mehr als 40 Kultur- und Sportinstitutionen erstmalig einen branchenübergreifenden, datenbasierten Ansatz und damit einen differenzierten Beitrag zur Diskussion um angemessene Wege aus dem Lockdown“, erklärt Julius Dürrwald, Pressesprecher der Parkaue, dem Jungen Staatstheater Berlin.

Das Konzept für Indoor-Events:

  • Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes,
  • eine Gesamtauslastung von maximal 25 bis 30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln,
  • personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement,
  • eine durchgehende Maskenpflicht,
  • ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern,
  • ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen

Für Outdoor-Events würde all dies ebenfalls gelten, allerdings sei hier bei vergleichbaren Maßnahmen eine Auslastung von 35 bis 40 Prozent möglich, zudem eine so genannte „Bagatelluntergrenze“, „die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht“, wie es in der Zusammenfassung heißt. Mit Maskenpflicht und Apps könnte dann auch personenbezogene Tickets überflüssig werden.

Erstellt wurden von den Experten auch Sitzschemata – also Pläne, wie bestuhlte Events durchgeführt werden können, um die Kontaktpunkte gering und die Besucher*innen möglichst weit auseinanderzuhalten.

Für die kommende Woche hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, einen Stufenplan von Bund und Ländern für Lockerungen der Pandemie-Schutzmaßnahmen angekündigt. Dieser Plan solle zum nächsten Bund-Länder-Treffen am 3. März vorgelegt werden.

Das neue Konzept für Publikumsveranstaltungen in Kultur und Sport kommt da also nicht zum schlechtesten Zeitpunkt.

Diese Organisationen und Institutionen unterstützen das Projekt:


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