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„Konzerne vs. Kollektiv“ von Eva Apraku

Wer in diesen Tagen bei Google den Begriff „Ikea“ eingibt, landet als Erstes auf der Weihnachtsausgabe der entsprechenden Webseite. Christbaum­sterne werden da genauso präsentiert wie Geschenkverpackungen oder Kerzen. Und auch der Online-Händler Amazon setzt auf seiner Starterseite gezielt auf die konsumstärkste Zeit des Jahres: Tannenzweige erinnern daran, nun endlich mit dem Geschenkekaufen loszulegen.
Doch warum sollen wir unsere Gaben eigentlich bei Ikea oder Amazon kaufen? Nur weil der schwedische Möbelhändler ziemlich genau weiß, womit er den Durchschnittsgeschmack trifft? Und der marktführende Online-Händler längst nicht nur Bücher oder DVDs, sondern inzwischen so ziemlich alles von Kleiderschränken bis zu Vibratoren ganz praktisch bis zur Haustür liefert?
Ja, sie haben uns umgarnt, diese marktbeherrschenden Konzerne. Schulter klopfend werden wir bei Ikea ungefragt geduzt. Und auch Amazon hat sich längst als schein­bar unentbehrlicher Freund eingeschlichen, der uns bestens kennt und stets mit gut gemeinten (Einkaufs-)Tipps zur Seite ?steht. Wie scheinheilig dieses Getue ist, wurde unlängst von einem Konsortium internationaler Journalisten entlarvt. Sowohl Ikea als auch Amazon gehören zu den Konzernen, ­?die über den Umweg Luxemburg durch ziemlich perfide, wenn auch unverständlicherweise legale Steuertricks ihre Zahlungen an hiesige Finanzämter auf ein Minimum reduziert haben.
Damit senden sie eine sehr viel deutlichere Botschaft als mit ihrem schleimigen Geduze oder den ungebetenen Tipps: Diesen Firmen geht das Gemeinwohl am Ars… vorbei. ?Zwar lassen sie sich liebend gerne mit unseren Steuergeldern Standorte subventionieren, nutzen zudem intensiv die mit Staatsknete finanzierte Infrastruktur, etwa Straßen. Wenn es aber darum geht, aus den hier erzielten Gewinnen ihr Scherflein beizutragen, dann sind sie von der Bildfläche verschwunden. Erinnern wir uns deshalb in Sachen Einkaufen doch einfach mal an die vielen tollen, unabhängigen Läden in Berlin, die es glücklicherweise noch gibt. Wer dort kauft, erlebt nicht nur die Stadt in all ihren Facetten. Man kann auch deutlich sicherer sein, dass da nicht die Finanzämter – und damit wir – über den Tisch gezogen werden.“

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