Kultur

Kultur ohne Senator

Kultur ohne Senator

Klaus Wowereit ist als Nebenbei-Kultursenator für eines der wichtigsten Ressorts Berlins verantwortlich. Mit seinem angekündigten Rücktritt im Dezember ?wird ein anderer Senator oder der künftige Berliner Regierungschef dieses Amt mit­-?übernehmen. Einen hauptamtlichen Kultur­-?senator wird es schon deshalb nicht geben, weil sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode auf acht Senatorenposten verständigt haben. Auch wenn man am Kultursenator Wowereit einiges kritisieren konnte, zum ­Beispiel die Missachtung der Freien Szene, ist sein Rücktritt keine gute Nachricht für ?die Kulturszene der Stadt.
Wowereit hat den Kulturetat vor den Be­gehrlichkeiten des Finanzsenators geschützt. Dass Kulturpolitik in Berlin Chefsache war, hat der kulturellen Infrastruktur der Stadt gutgetan. Und es entspricht ihrer auch wirtschaftlichen Be­deutung für die Stadt – als Touristenmagnet, Imagepolitur und weicher Standortfaktor. Wowereit gab sich Mühe, die Kulturszene entsprechend zu behandeln. Auch wenn er sich in Boulevardtheatern am wohlsten fühlte, ließ er auch tapfer anstrengendere Inszenierungen, zum Beispiel beim Tanz im August oder dem Theatertreffen, über sich ergehen. Bisher ist keiner der möglichen Wowereit-Nachfolger durch besondere Kulturkompetenz oder auch nur gesteigertes Interesse an Oper, Museen, Theater, Clubkultur oder Off-Szene aufgefallen. Kulturstaatssekretär Tim Renner ist erst kurz im Amt und bisher so lernfähig wie offen­kundig in Hochkulturangelegenheiten etwas orientierungslos. Wie in dieser Situation ?die anstehenden Entscheidungen für die Nachfolger von Jürgen Flimm an der Staatsoper und Claus Peymann am Berliner Ensemble, vielleicht sogar mit guten Ideen für die Zukunft dieser Bühnen, gemanagt werden sollen, ist ein Rätsel.
Als Politik-Quereinsteiger verfügt Tim Renner nicht über politische Hausmacht. Größere Widerstände gegen Spar-Begehrlichkeiten sind von ihm kaum zu erwarten. Dafür hat Finanzsenator Nußbaum schon ?auf seinem früheren Posten als Bremer Finanzsenator bewiesen, dass er gerne rücksichtslos im Kulturetat einspart. Auf ?die Berliner Kultureinrichtungen könnten unangenehme Jahre zukommen.
Drei mögliche Wowereit-Nachfolger im Gespräch.

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