Die wichtigsten Eröffnungen und Kunstfeste im Juni
„Rooms Stage“ in der Helmut Newton Stiftung/ Museum für Fotografie
Es ist nicht einfach, das Werk des in Berlin geborenen, 2004 gestorbenen Fotografen Helmut Newton in den Räumen der nach ihm benannten Stiftung immer neu zu inszenieren. Dieses Mal überraschen das Thema der Helmut Newton Stiftung: Räume und Bühnen. Neben Modeinterieurs sind Aufnahmen zu sehen, die Newton zum Beispiel von Pina Bauschs Tanztheater machte. Kombiniert finden sich seine Fotografien mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler:innen, etwa Jana Sophia Nolles Platzierungen der Habseligkeiten von Obdachlosen in bürgerlichen Wohnzimmern.
Museum für Fotografie Jebenstr. 2, Charlottenburg, Di–So 11–19, Do bis 20 Uhr, 12/ 6 €, bis 18 J. + TLE frei, newton-foundation.org/, 5.6.–15.11., Eröffnung: 4.6., 20 Uhr
„Berlin plant. Stunde Null“ im Neuen Berliner Kunstverein

Vor 80 Jahren zeigte im Stadtschloss die Ausstellung „Berlin plant – Erster Bericht“ Hans Scharouns „Kollektivplan“. Der sah vor, das zerstörte Berlin in großem Maßstab radikal modern aufzubauen. Daraus wurde nur in wenigen Teilen etwas. Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) rekonstruiert die historische Schau mit Dokumenten von damals und späteren Kommentaren, unter anderem von Scharoun selbst. Kuratiert wird „Berlin plant. Stunde Null“ von dem Berliner Künstler Hansjörg Schneider zusammen mit den Architekturhistoriker:innen -Simone Hain und Thomas Flierl.
Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) Chausseestr. 128/129, Mitte, EG Di–So 12–18, Do 12–20 Uhr, nbk.org, 6.6. –2.8., Eröffnung: 5.6., 19 Uhr
Symposium im Silent Green: 20.6., 13–20.30 Uhr
Die „6. Berlin Britzenale“ in der Kleingartenanlage Zur Windmühle e.V.
Wohnungsnot und Immobilienspekulation gefährden die Existenz von Kleingärten. Die „6. Berlin Britzenale“ ist daher der Zukunft städtischer Schrebergärten gewidmet und deren Potenzial für Stadtgrün, Klimaschutz und -anpassung. Sie findet in der Britzer Gartenkolonie Zur Windmühle im Neuköllner Hüfnerweg statt. Über 20 Künstler:innen nehmen teil. Zu den Kurator:innen zählt der Künstler Christof Zwiener, der den „Tiny Forest“ am Spittelmarkt pflanzte.
Kleingartenanlage Zur Windmühle e.V. Hüfnerweg 4, 12349 Berlin, 6. +7.6., 11–18 Uhr, britzenale6.com, Eröffnung: 5.6., 18 Uhr
200 Jahre Museumsinsel
Fünf Jahre lang feiern die Staatlichen Museen die Anfänge der Museumsinsel 1825. In diesem Sommer steht die Alte Nationalgalerie im Mittelpunkt. Am 6. und 7. Juni finden auf der Insel Musikaufführungen von Operette bis House statt, Bühnenshows, Überraschungsführungen und Workshops. Für beide Tage gibt es Karten zu 16, ermäßigt 8 Euro, die auch in der benachbarten Friedrichwerderschen Kirche und im Archäologiezentrum Petri an der Leipziger Straße gelten. Eine Online-Buchung: empfiehlt sich. Mehr zum Inselfest auf der Museumsinsel lest ihr hier.
Museumsinsel Bodestr., Mitte, ein Ticket für alle Museen: 16/ 8 €, smb.museum, Sa 10–22 Uhr, So 10–20 Uhr, 5.–7.6.
„Kunst im Westend“ in den DRK-Kliniken Berlin Westend
Für den Deutschen Kulturförderpreis 2026, der vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergeben wird, sind zwölf Projekte nominiert, darunter „Kunst-Krankenhaus: Kunst und Gesundheit im Dialog“ des Berliner Vereins Kunst im Westend. Seit rund 25 Jahren bringt er hochkarätige Kunst in Garten und Krankenhaus der DRK-Kliniken im Westend. Die neue Ausstellung zeigt Arbeiten beispielsweise von Leiko Ikemura, Heinz Mack und Yang Shen, die im Park platzierten Arbeiten sind auch über die Eröffnung hinaus tags bis 18 Uhr zugänglich.
DRK Kliniken Berlin Westend, Spandauer Damm 130, Charlottenburg, Mo–So 15–18 Uhr, kunst-im-westend.de/, Eröffnung: 7.6., 15 Uhr, Parkaue: Open End
Kyiv Biennial: „A Bird That Cannot Land“ im KW Institute for Contemporary Art (Kunst-Werke)

Widerstandsgeist und Durchhaltevermögen: Davon erzählt die Kyiv Biennial seit ihrer Gründung nach der Maidan-Revolution. Jetzt macht die Wanderausstellung wieder Halt im Berliner Exil: Mit Kunst, Text und Musik spannt sie einen Themenbogen, der von Sibirien bis hiesige Regierungsviertel reicht. Zu den teilnehmenden Künstler:innen zählen die Installationskünslterin Gulnur Mukazhanova, der Filmemacher Oleksiy Radynski, die New Yorker Künstlerin Samia Halaby, Lesia Vasylchenko, soeben im Schinkel Pavillon zu sehen, und die Videokünstlerin Hito Steyerl.
KW Institute for Contemporary Art (Kunst-Werke) Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr, 10/6 €, bis 18 J., ALG II + 1. Do im Monat ab 16 Uhr frei, Rahmenprogramm: kw-berlin.de, 11.6.–3.9., Eröffnung: 10.6., 19 Uhr
„Tausendmal Berlin“ im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart
Das 30-jährige Jubiläum des Hamburger Bahnhofs hält im Juni einen weiteren Höhepunkt bereit: Unter dem Titel „Tausendmal Berlin“ eröffnet die neue Sammlungspräsentation im Gegenwartsmuseum der Nationalgalerie. Rund 70 Arbeiten von über 50 Künstler:innen, darunter Mona Hatoum, Thomas Struth, Cemile Sahin und Danh Vō, spiegeln das politische und künstlerische Geschehen in der Stadt seit 1989 wider. Die Ausstellung eröffnet zu Beginn des Sommerfests an drei Tagen der offenen Tür.
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart Invalidenstr. 50, Mitte, Di, Mi, Fr 10–18, Do 10–20 Uhr, Sa + So 11–18 Uhr, 16/ 8 €, bis 18 J. + TLE frei, smb.museum, Tage der offenen Tür: 12.–14.6., Eröffnung: 12.6., 17 Uhr
„Freiraum Kunst“ im Schloss Bellevue

Vierzehn Tage nur währt die Ausstellung im Schloss Bellevue, dann beginnt dort die achtjährige Sanierung. Unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten zeigt die Akademie der Künste dort zeitgenössische Kultur: Text, Musik und Bildende Kunst. Auch öffentliche Gespräche zu Themen der Zeit finden statt. Der Eintritt ist frei, die Anzahl der digital buchbaren Zeitfenster-Tickets jedoch begrenzt.
Schloss Bellevue Spreeweg 1, Tiergarten, nur mit Zeitfensterticket: adk.de + Ausweis, Mo–Fr 11–19, Sa+So 10–19 Uhr, Eintritt frei, 13.–28.6.
„Kultur – Menschen – Macht“ im Schloss Schönhausen
Fast ist es vergessen: Auch im Schloss Schönhausen lagerten die Nationalsozialisten Kunst, die sie unter dem Label „Entartete Kunst“ hatten beschlagnahmen lassen wie das Gemälde von Edvard Munch (Foto). Im Sommer 1938 trafen dort rund 3.700 Arbeiten ein, die gegen Devisen ins Ausland verkauft werden sollten. Die neue Ergänzung der Dauerschau im Schönhauser Schloss, soll das Gebäude als „Tatort der NS-Aktion ,Entartete Kunst‘“ dokumentieren. Sie stellt betroffene Künstler:innen vor sowie Planende und Ausführende der Aktion, und sie zeigt Fotos und Dokumente, die über die Organisation des Vorgangs informieren. Im Rahmenprogramm finden sich Vorträge und Lesungen zu NS-Politik und Exil.
Schloss Schönhausen Tschaikowskistr. 1, Pankow, April bis Oktober: Di–So 10–17.30 Uhr, November bis März: Sa/ So 10–16 Uhr, 8 / 6 €, Familienkarte (2 Erwachsene und max. 4 Kinder): 16 €, spsg.de, bis auf Weiteres
Umut Azad Akkel zeigt “Holding My Drink in the Corner” im Haus am Lützowplatz

„The Path” ist eine riesige, begehbare, sachlich-formschöne Installation aus Baugerüsten. Umut Azad Akkel stellte sie bereits auf dem Tempelhofer Feld auf (Foto). Jetzt baut er sie in Tiergarten erneut auf: Sie gehört zu seiner Einzelausstellung im Haus am Lützowplatz. „Holding My Drink in the Corner, ein Zustand, den viele kennen dürften: aus einer sicheren Ecke dem Treiben zuzusehen, weil man den Eindruck hat, nicht dazuzugehören. Akkels Ausstellung thematisiert Migration queerer Menschen.
Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Tiergarten, Di–So 11–18 Uhr, 13.6.–16.8., hal-berlin.de, Eröffnung: 12.6., 19 Uhr
„Wo ich wohne“ im Haus am Waldsee
Ilse Aichingers Kurzgeschichte „Wo ich wohne“ handelt von einer Wohnung, die eine Etage tiefer rutscht. Die Erzählung von 1963 bildet den Aufhänger für eine Gruppenausstellung im Haus am Waldsee. Mit ihr will das Team zum 80-jährigen Bestehen der Kunstinstitution die wechselvolle Geschichte des Hauses erhellen. Neue und alte Arbeiten, etwa von Rhea Dillon und Renée Sintenis, treffen auf Exponate aus früheren Ausstellungen sowie Dokumente zur Nutzung des Hauses.
Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 11–18 Uhr, 9/ 6 €, bis 18 J. + TLE frei, 14.6.–27.9., hausamwaldsee.de, Eröffnung: 13.6., 17 Uhr
Gabriele Stötzer: „Dabei sein und nicht schweigen“ im Gropius Bau

Gabriele Stötzer war in Haft. Jetzt stellt sie als erste in der DDR geborene Künstlerin im Gropius Bau aus. Zu sehen sind unter anderem Super-8-Filme und Fotografien von damals, die von der Rebellion gegen die Enge im Sozialismus handeln, und jüngere Arbeiten, für die sich Stötzer textile Handwerkskünste beibrachte. Gabriele Stözter erhielt kürzlich den renommierten Kunstpreis Goslaer Kaierring.
Gropius Bau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mo, Mi–Fr 12–20 Uhr, Sa+So 10–20 Uhr, Hausticket: 16/8 €, bis 18 J. + TLE frei, berlinerfestspiele.de, 19.6.–6.12., Eröffnung: 18.6., 19 Uhr
Walter Schels: „16° Fische . Retrospektive“ bei C/O Berlin
Vielleicht kennen die Älteren noch die Aufnahmen von Neugeborenen, die Walter Schels in der Zeitschrift „Eltern“ veröffentlichte. Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Menschen in existenziellen Situationen bilden einen Schwerpunkt im Werk des 1936 geborenen Fotografen. Auch Hospizpatient:innen porträtierte er. Weniger bekannt sind Schels’ Tierbilder. Zu Schels’ 90. Geburtstag widmet das Fotohaus C/O Berlin dem in Hamburg lebenden Fotografen eine Retrospektive. Eine zweite Ausstellung, „The Lure of The Image“, mit Arbeiten von 14 Künstler:innen thematisiert das suggestive Potenzial digitaler Fotografie.
C/O Berlin Hardenbergstr. 22, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 12/6 €, bis 18 J. frei, co-berlin.de, bis 2.9., Eröffnung: 19.6., 20 Uhr
Die Künstlerinnengruppe Endmoräne mit „Rasender Stillstand“ im Historischen Bahnhof Hangelsberg

Jedes Jahr treffen sich die Künstlerinnen der Gruppe in einem alten Gebäude Brandenburgs, um in einer Sommerwerkstatt Kunst für diesen Ort zu entwickeln – und sie dort in einer Ausstellung zu zeigen. In 34 Jahren nahmen sie sich verlassene Fabriken, Bauernhöfe, Kasernen und Schlösser vor, nun ist es das Empfangsgebäude des alten Bahnhofs Hangelsberg (Foto) östlich von Erkner, gut öffentlich zu erreichen mit dem RE1 bis Grünheide (Mark).