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Die wichtigsten Eröffnungen und Kunsttrips im August

Kunst und Architektur zeigen sich im August an neuen und ungewohnten Orten, auch in Brandenburg
Text: Claudia Wahjudi
Veröffentlicht am: 31.07.2026
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© Andres Gonzales
Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, Biennale Sydney © Andres Gonzales 

„Guten Morgen Sonnenschein“ von Juergen Teller in der Galerie CFA

© Juergen Teller, All Rights Reserved, VG Bild-Kunst
‚With My Own Eyes‘, The Holy See Pavilion, 60th Venice Art Biennale, Giudecca Women’s Prison, © Juergen Teller, All Rights Reserved, VG Bild-Kunst

Models, Superstars oder die eigene Familie – Juergen Teller inszeniert sie lässig uninszeniert. Mit dieser „authentisch“ genannten Bildsprache und einer guten Portion Verspieltheit wurde der deutsche Fotograf berühmt und prägte die jüngere Modefotografie. Bei Contemporary Fine Arts (CFA) stehen Tellers biografische Projekte im Fokus: In zwei Fotoserien geht es um die kreativ-romantische Partnerschaft mit seiner Ehefrau Dovile Drizyte und die familiären Alltagsroutine, die für ihn mit einem Filterkaffee am Morgen beginnt. Ergänzt wird diese nette Liebeserklärung an die Familie durch Auftragsarbeiten mit Porträts von Sandra Hüller und Florentina Holzinger.

Contemporary Fine Arts Galerie  Grolmanstr. 32/33, Charlottenburg, Sommeröffnungszeiten: Mo–Fr 11–17 Uhr, cfa-gallery.com, bis Sa 29.8.


Die neue Openart Lausitz Biennale in Brandenburg

Foto: Friedrike Kalz
Atelierhof Werenzhain in Doberlug-Kirchhain, Foto: Friedrike Kalz

Vor 16 Jahren endete im Lausitzer Tagebauland die Internationale Bauausstellung „IBA See“, die den Strukturwandel unterstützen sollte. Der ließ auf sich warten, Kohle wurde weiter gefördert. Nun setzt die neue „openart lausitz biennale“ Akzente, zum Teil an einst von der „IBA See“ bespielten Orten wie den Biotürmen der ehemaligen Kokerei von Lauchhammer. Rund 40 Künstler und Künstlerinnen aus Berlin und Brandenburg präsentieren zeitliche gestaffelt an neun solchen ungewöhnlichen Plätzen teils ortsspezifische Arbeiten. Auch Marek Pisarsky und Anne Peschken, die für Arbeiten im deutsch-polnischen Raum bekannt sind, machen mit, und die Filmkünstlerin Julia Lazarus, die ein Element thematisiert, das trotz und wegen der Tagebauseen knapp wird: Wasser.

Hier erklärt die Leiterin der Openart Lausitz Biennale, was euch beim Kunstfestival erwartet.


Verschiedene Orte in Cottbus, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald, Alle Orte und Eröffnungen: hier, Sa 1.8.–So 20.9., erste Eröffnung: Fr 31.7., 17 Uhr, Atelierhof Werenzhain, Hauptstr. 76, 03253 Doberlug-Kirchhain, Shuttlebus ab Bahnhof Doberlug-Kirchhain


„Sound Biesenthal“ in der Wehrmuehle Biesenthal

 Am Ortsrand von Biesenthal, am Naturpark Biesenthaler Becken mit seinen Mooren, steht die Wehrmuehle mit Wiese davor. Hier finden seit Mitte der Nuller Jahre sommers Kunst und Kultur statt, Nan Goldin, Anne Imhof und Julian Charrière stellten schon aus. In diesem Jahr ist es die „Sound Biesenthal“, die von Gast-Kurator Domenico Positano und Wehrmuehlen-Direktorin Tjioe Meyer Hecken zusammengestellt wird. Es soll um hörbaren Klang gehen und um das Thema Klang in der Kunst. Die Liste der Beitragenden reicht von Pierre Allain über Idris Khan bis zu Leyla Yenirce.

Wehrmuehle Wehrmühlenweg 8, 16359 Biesenthal, RE3 bis Bhf. Biesenthal, Sa+So 12–19 Uhr, 23,80 € auf wehrmuehle.de, Sa 1.–So 30.8., Eröffnungswochenende: Sa+So 1.–2.8.


„NÄNZI (1962–2013). Wenn ich schwach bin, bin ich stark. Schneewittchen“ im Verein der Berliner Künstlerinnen 1867

Foto: Helen Adkins
Nänzi, Importbraut, 199er-Jahre, Gips, Textil, Glas, Bemal, auf Styroporsockel, Foto: Helen Adkins

Nach der Rückkehr der Figürlichkeit in die Kunst könnte es Zeit sein, das Werk der Berliner Künstlerin NÄNZI neu zu betrachten. Aus dem Nachlass der Bildhauerin, die 2013 mit 51 Jahren starb, sind beim Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 rund 40 Arbeiten zu sehen: vornehmlich kleinere Skulpturen von Frauen in verschiedensten Gemütszuständen. Sie wirken so verletzt oder verletzlich wie widerständig. Geplant ist auch die Installation einer von NÄNZIs „Ich-Wänden“, ein großes, collagiertes Tableau mit Notizen sowie Aufnahmen aus Popkultur und Kunstgeschichte, die Einblick in NÄNZIs Bildfindung geben.

Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 Eisenacher Str. 118, Schöneberg, Do–Sa 16–19 Uhr, vdbk1867.de, Fr 7.8.– So 6.9., Eröffnung: Do, 6.8., 18 Uhr


„everybody“ im Georg Kolbe Museum

Foto: Robert Rieger
Großes Atelier im Georg Kolbe Museum, vor dem Fenster Skulptur von Kolbe, 2022, Foto: Robert Rieger

Kraftstation, Yoga, Diät: Alle arbeiten freiwillig an ihren Körpern. Wirklich? Das Georg Kolbe Museum zeigt die Gruppenausstellung „everybody“ über den Druck, den Ideologien auf den menschlichen Leib ausüben. Das preisgekrönte Haus ist der richtige Ort dafür:  Auseinandersetzungen mit Körpern in der Kunst gehören hier zum Programm, schon wegen des Skulpturen Georg KolbesDanke. Und nun. Nun untersuchen Künstler:innen wie Pauline Boudry und Renate Lorenz, EVA & ADELE, Carolyn Lazard, Luís Lázaro Matos und Lauryn Youden, welche Wege es womöglich aus der Disziplinierung des Leibs gibt.

Georg Kolbe Museum  Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Mi–Mo 11–18 Uhr, 10/6 €, bis 18 J. frei, georg-kolbe-museum.de, Sa 8.8.– So 29.11., Eröffnung: Fr 7.8., 18 Uhr


„Observe!“ im Meistersaal

Der denkmalgeschützte Meistersaal in Kreuzberg, ein ehemaliger Kammermusiksaal, lässt sich während einer Ausstellung von Pia Adenauer, Matthias Brandt, Christoph Uepping und Sebastian Bauersfeld (Abb).) begehen. Ihr Thema sind Beobachtung und Beobachtende. Schon in den 1920er-Jahren fanden in dem 1913 eröffneten Gebäude Kunstausstellungen statt, zum Beispiel im Umfeld von Wieland Herzfeldes Malik-Verlag, dessen Geschäftsräume in den 1920er-Jahren zeitweise hier lagen. Kurt Tucholsky las im Meistersaal, und osteuropäischen Migrant:innen diente dieser als Veranstaltungsort, wie das Jüdische Museum in seiner Ausstellung „Berlin Transit“ 2012 thematisierte.

Meistersaal Köthener Str. 38, Kreuzberg, Mo–So 12–18 Uhr, meistersaal-berlin.de, So 9.– Do 13.8., Eröffnung: So 9.8., 12 Uhr


„65 Jahre Mauerbau“ am Brandenburger Tor

© akg-images
„Einheiten der Nationalen Volksarmee, der Volkspolizei und der Betriebskampfgruppen riegeln die Sektorengrenze ab. Szene am Brandenburger Tor, 13.8.1961 © akg-images

Der Bau der Berliner Mauer begann am 13. August 1961. Die landeseigene Veranstaltungsgesellschaft Kulturprojekte Berlin, die auch die Lange Nacht der Museen organisiert (s.u.), platziert aus diesem Anlass am Brandenburger Tor eine transparente Mauer, die die Dimension des politischen Bauwerks ahnen lassen soll. Dazu gehört eine Ausstellung mit historischen Fotografien zu Grenzziehung und Mauerbau. Körperhaltung und Gesichter der abgebildeten Menschen drücken vor allem zweierlei aus: Erschütterung und Ungläubigkeit.

Brandenburger Tor Platz des 18. März, Mitte, kulturprojekte.berlin, Do–So 13.–17.8., 0–24 Uhr (15.8. wg. „Rave the Planet“ geschlossen),


„Thomas Billhardt: Die Augen weit offen“ im Fotografiska Berlin

® Thomas Billhardt, CAMERA WORK Gallery
Thomas Billhardt, Alexanderplatz, Berlin, 1960 ® Thomas Billhardt, CAMERA WORK Gallery

Einige seiner Fotos sind weltbekannt, etwa seine Aufnahme von der Vietcong-Kämpferin, die einen US-Soldaten abführt. Thomas Billhardt (1937–2025) konnte mit Billigung beziehungsweise im Auftrag von staatlichen Stellen der DDR reisen, Anwerbeversuchen der Geheimdienste in Ost und West soll er aber widerstanden haben. Nach der Wende arbeitete er unter anderem für die Zeitschrift „Stern“ und UNICEF. Sein Archiv betreut die Fotogalerie Camera Work. Das Fotografiska Berlin zeigt gemeinsam mit ihr die Ausstellung „Die Augen weit offen“ – mit einem Motivspektrum vom Alexanderplatz bis Kuba.

Fotografiska Berlin Oranienburger Str. 54, Mitte, Mo–So 10–23 Uhr, Eintritt 15/10 €, bis 12 J. frei, berlin.fotografiska.com, Sa 28.8.2026–So 7.2.2027


„Josef Kaiser – Bauen für die DDR“ in der Berlinischen Galerie

Schnepp Renou: Kino International an der Karl-Marx-Allee, 2026© Schnepp Renou

Erneut wird Kulturerbe der DDR wiederentdeckt: Das Team der Berlinischen Galerie zeigt das Werk des Architekten Josef Kaiser. Und hat dessen Ursprünge erforscht: Kaiser war nicht nur Utopist, sondern auch Opernsänger, begann seine Laufbahn in den 1930er-Jahren und machte Karriere in der DDR, unter anderem mit dem Kino International (Foto) und dem Café Moskau.  Die Ausstellung des Museums zeigt rund 60 Zeichnungen, Modelle, Fotos und Filme und beleuchtet auch Kaisers Arbeit im NS-Staat. Mehr zu wichtigen DDR-Architekten lest ihr hier.

Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 12/7 €, 1.Mi/ Monat: alle 7 €, bis 18 J. + Geflüchtete frei, berlinischegalerie.de, Fr 28.8.2026–Mo 1.2.2027, Eröffnung: Do 27.8., 19 Uhr


„Landscape Together“ von MAG – Marques de Aguiar, Porto bei Aedes

Kunst spielt mit, wenn das portugiesische Architekturbüro MAG Marques de Aguiar Landschaften so zu entwickeln versucht, dass sich die gealterten Bewohner:innen genauso aufgehoben fühlen wie vom Klimawandel gestresste Böden, Pflanzen und Tiere. Mitsprache von Einheimischen, Umweltaktivist:innen und Künstler:innen soll Neuerungen nachhaltig machen. Zu den MAG-Projekten zählen Kunstpavillons, Wohnhäuser und das „Freiluftmuseum einer Landschaft“ in einer von Waldbränden heimgesuchten Region. Das Architekturforum Aedes stellt die Methode von MAG in einer Ausstellung vor.

Aedes Christinenstr. 18–19, Prenzlauer Berg, Mo 13–17, Di–Fr 11–18, So + Sa 13–17 Uhr, (Sa 29.8., 13–17 Uhr), aedes-arc.de, Sa 29.8.–Mi 14.10., Eröffnung: Fr 28.8., 18.30 Uhr


Lange Nacht der Museen 

Foto: Alexander Rentsch
Lange Nacht der Museen 2025 im Skulpturengarten der Neuen -Nationalgalerie © Kulturprojekte Berlin, Foto: Alexander Rentsch

Bei der 44. Langen Nacht der Museen mit dem Motto „Crime in Berlin“ geht es um Kunstfälschungen, Schwarzmarkt und Darstellungen von Verbrechen. Allein all die Gemälde mit biblischen Szenen von Kain und Abel bis zur Enthauptung des Täufers Johannes liefern reichlich Anschauungsmaterial. Interessant wird, wie das Humboldt Forum mit dem Thema Raubkunst aus kolonialen Kontexten umgeht. In dem Haus, das soeben sein fünfjähriges Jubiläum feierte, finden unter anderem Kurzführungen statt, etwa durch die Ausstellung „Geschichte(n) Tansanias“ zu Fragen der Rückgabe. Ein Ticket bietet Zugang zu 75 Museen mit rund 750 Veranstaltungen, ein Shuttle führt zu Museen außerhalb des Zentrums.

Verschiedene Orte  alle auf: langenachtdermuseen.berlin, 23/17 € (Vorverkauf ab Mo, 3.8. bis 16.8. 15/ 12 €), bis 12 J. frei, Sa 29.8., 18–2 Uhr


„Unless The People Live Here” in der Deutschen Oper

© Andres Gonzales
Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, Biennale Sydney © Andres Gonzales

Die erste Spielzeit der Deutschen Oper unter Intendanz von Aviel Cahn beginnt mit einem Wochenende der offenen Türen und viel bildender Kunst. Rirkrit Tiravanija hat den Parcours „Unless The People Live Here“ entworfen, auf dem sich unter anderem Ari Benjamin Meyers, Anri Sala. Álvaro Urbano und Petrit Halilaj an Konzerte, Opern und Kostüme machen. Sung Tieu will Wagners „Tannhäuser“ mit Bürogeräuschen konfrontieren. Um Geruch dagegen geht es Sissel Tolaas (foto). Die Berliner Künstlerin aus Norwegen untersucht Moleküle und hat schon historische Odeurs wie den Geruch von Schlachtfeldern im Ersten Weltkrieg synthetisiert.

 Deutsche Oper Bismarckstr. 35, Charlottenburg, deutscheoperberlin.de, Sa–So 29.8.–30.8., Sa 12 Uhr, bis So 18 Uhr 


„Die zwölf Leben des Daniel Chodowiecki“ im Schloss Neuhardenberg

Daniel Chodowiecki (1726–1801) war erst Kaufmann, dann Miniaturmaler, kam von Danzig nach Berlin, heiratete in die Französische Gemeinde ein, schuf Radierungen, Ölgemälde, arbeitete als Emailmaler, Kalendermacher, Kupferstecher, Illustrator und Direktor der Königlich-Preußischen Akademie der Künste. Eine Ausstellung im Ostbrandenburger Schloss Neuhardenberg feiert den 300. Geburtstag des Künstlers mit einer Ausstellung über Werk und Leben, die in die Zeit der Aufklärung führt. Eine von Chodowieckis schönsten Kohlezeichnungen ist hier zu sehen, „Sitzender männlicher Akt nach links, das Kinn auf die rechte Hand gestützt“.

Schloss Neuhardenberg   Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg, Mi–So 11–18 Uhr (26.8. geschl.), 8/5 €, schlossneuhardenberg.de, So 30.8.–So 27.12., Eröffnung: So 30.8., 15 Uhr (Eintritt frei, Anmeldung: schlossneuhardenberg.de)



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DDR-Kunst wieder ganz groß: Wo und warum, lest ihr im Interview. Und könnt es auch hier sehen: in der Ausstellung von Gabriele Stötzer im Gropius Bau. Was tut sich außerdem in der Kunstwelt? Aktuelle Ausstellungen in Berlin im Überblick. Immer gut über das Leben in Berlin informiert: tipBerlin Newsletter – hier anmelden. Noch nichts vor? Was heute los ist, lest ihr im Programm mit den besten Veranstaltungen in Berlin. Was läuft wann? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin.

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