Kunstwort: Buhrufe

Drei feine Feiern sah der Berliner März. Der Projektraum After The Butcher hatte 20. Geburtstag, über 200 Künstler:innen gaben Arbeiten für die Festschau. Endmoräne, der Verein Berliner und Brandenburger Künstlerinnen, die jedes Jahr in verfallenden Gebäuden Kunst entwickeln, feierte 35-jähriges Jubiläum. Welche Ausdauer, welch Engagement bei beiden, und ja, gestützt in all den Jahren auch von öffentlichem Geld. Und in Zukunft? Im März erhielt Meredith Monk den Kunstpreis Berlin, dessen Förderung der Senat halbiert hatte. Die ihn vergebende Akademie der Künste teilte mit, sie habe die Differenz beglichen. Und protestierte scharf.
Protest bleibt wichtig, auch wenn dieser einzelne verhallen mag. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson muss sich vor dem Untersuchungsausschuss zur Fördergeldvergabe ihres Hauses im „Kampf gegen Antifaschismus“ verantworten, ihr Chef Wegner hat eine Stromausfall-Affäre, im September wählt Berlin. Dass Protest aber wirkt, zeigte sich bei Wolfram Weimers Drohungen gegen die Berlinale-Chefin und seinen Absagen beim Buchhandlungspreis. Es hagelte Protestnoten, auf der Eröffnung der Buchmesse wurde er ausgebuht. So angezählt war noch kein Kulturstaatsminister. Von der gut organisierten Schlagkraft der Film- und Wortbranchen kann der hoch individualisierte Kunstbetrieb viel lernen. Nächstes Jahr ist Documenta.