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Technik, Raum und Zeit: Lesia Vasylchenko im Schinkel Pavillon

Die Videoarbeiten von Lesia Vaslychenko vereinen KI, Medienmaterial und eigene Aufnahmen. Die ukrainische Künstlerin reflektiert im Schinkel Pavillon unsere Wahrnehmung der Zeit
Text: Constanze Suhr
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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Bilder, die die Fantasie verstören: Lesia Vasylchenko, Chronosphere, 2024 Foto: Lesia Vasylchenko, Chronosphere, 2024, courtesy of the artist, video stills 
 

Die Kamera zeigt eine junge Frau in ihrer Kyjiwer Küche. Sie spült das Geschirr, als die Sirenen aufheulen. Es bleiben 14 Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Hektisch stellt sie den Wasserhahn ab. Während im Hintergrund Geräusche eines eiligen Aufbruchs der Familie zu hören sind, fällt unser Blick auf den tropfenden Wasserhahn: eins, zwei, drei…. Die nächsten Bilder des Films zeigen die Frau mit ihren beiden Töchtern die Treppen vom 15. Stock des Neubaus hinunterhetzend, die Füße auf den Stufen, die Anzeige der Stockwerke im Hausflur: 14…, 13…, 12…, 11….

„Chronosphere“ heißt das halbstündige Video der 1990 in Kyjiw geborenen Künstlerin Lesia Vasylchenko, einer der Hauptfilme in ihrer Ausstellung im Schinkel Pavillon, die im März eröffnet wird. Mit eigenen Fotos und Filmaufnahmen, KI-generierten Bildern und Footage-Material erzählt Vasylchenko von der Zeit, wie wir sie wahrnehmen und visuelle Medien diese Wahrnehmung verändern.

Vasylchenko arbeitet mit einem norwegischen Jahresstipendium im Künstlerhaus Bethanien

Seit Dezember 2025 arbeitet Vasylchenko mit einem norwegischen Jahresstipendium im Kreuzberger Künstlerhaus Bethanien. Ihre fast schon wissenschaftlichen Studien zum Phänomen Zeit begannen vor über zehn Jahren. „Es war während der Revolution 2014 in Kyjiw“, sagt sie. „Auf dem Majdan stand das Gewerkschaftshaus mit der riesigen Digitaluhr, die für mich meine ganze Kindheit lang wichtig war. Zu jeder vollen Stunde tönte von diesem Turm die bekannte Melodie: ,Oh, man muss dich so lieben, mein Kyjiw‘!“ Dann erlebte die damals 24-jährige Künstlerin, wie das Gebäude abbrannte. Sie begann die Bilder einer strahlenden Zukunft, die bis dahin propagiert worden waren, anzuzweifeln: Woraus wird die Vorstellung von Zukunft gespeist? Mit welchen Bildern manipuliert? Wann wurde Zeit zum Kapital?

Dass Weltraumsatelliten Bilder von der anderen Seite der Erde in Echtzeit senden und KI-gestützte Rechner Prognosen über zukünftige Geschehnisse liefern, verändert unsere Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diesen unfassbaren Raum, den der Mensch dadurch schafft, versucht Lesia Vasylchenko mit ihren Objekten, Bildern und Installationen eine Form zu geben.

Schinkel Pavillon  Oberwallstr. 32, Mitte, Do, Fr 14–19 Uhr, Sa+So 11–19 Uhr, 6/4 €, 13.3.–31.5. Eröffnung: 12.3., 19 Uhr


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