Picknick-Potenzial? Das Mies van der Rohe Haus unter neuer Leitung

Ludwig Mies van der Rohe entwarf 1932/1933 ein minimalistisches Wohnhaus für das Unternehmerpaar Lemke. Mit bodentiefen Fenstern und klaren Linien, die sich bis in den Garten fortsetzen, wurde der Backsteinbau am Obersee zunächst idyllisches Zuhause, seit den 1990er-Jahren dient er als kommunaler Ausstellungsort. Das sei vielen unklar, meint der neue Leiter, der Kunsthistoriker Dennis Brzek: Der Name lasse eher ein Archiv oder Privathaus des Architekten vermuten.
Mies van der Rohe Haus setzt auf ortsbezogene Neuproduktionen
Seit Anfang 2026 verantwortet Brzek das Programm und setzt auf ortsbezogene Neuproduktionen. Die Auftaktausstellung „what’s going on?“ reagiert auf die Brüche in der Geschichte des Hauses. Nach 1945 nutzte es die Rote Armee, später die Stasi. Die Sanierung Anfang der 2000er-Jahre schuf ein makelloses Architekturdenkmal, tilgte jedoch viele Spuren früheren Lebens. Genau diese Leerstellen interessieren die eingeladenen Künstler:innen.
Dora Budor inszeniert in ihrem „nicotine museum“ vergilbte Rauchspuren an Wänden und fragt, wie die Lemkes hier einst lebten. Oliver Tirré erinnert mit einer schimmernden Walnuss-Skulptur an den früheren Baum auf der Terrasse. Die Arbeiten sind akribisch platziert. Ihre Symbolik erschließt sich erst über Begleittexte oder Archivmaterial. Manche Rekonstruktionen wirken in ihrer Präzision beinahe akademisch, andere bleiben kryptisch.
Raum für Reflexion bietet der Garten mit Seezugang. Geplant sind Podcasts und Veranstaltungen, die Nachbarschaft und Kunstpublikum zusammenbringen sollen – womöglich, wie Brzek hofft, beim gemeinsamen Picknick am Wasser.