Am Mauerpark läuft das Open-Air-Projekt „Poller up“ auf sein Finale zu

Eine Reihe von Pollern schützt die Terrasse des Biergartens Mauersegler und die benachbarte Wiese im Mauerpark vor dem Verkehr der Bernauer Straße. Wolfgang Krause sieht in ihnen geeignete Sockel für eine Open-Air-Ausstellung. Mit 1,10 Meter, sagt der Berliner Künstler, hätten die Poller die ideale Höhe, für Porträts etwa. Und so dienen diese an Samstagen als Stelen für farbenfrohe und humorvolle Mini-Installationen.
Krause entwickelte das Projekt gemeinsam mit dem Künstler Peter Müller. Sie luden die Kolleginnen Daniela Gugg, Silvia Lorenz und Katharina Lüdicke ein. In ihren Arbeiten bezieht sich die Gruppe auf das Treiben im Park, in dem Berliner Milieus chillend, grillend, musizierend und Sport treibend aufeinandertreffen. Es kommen daher Spielzeuge, Picknickgeschirr, Flaschendeckel, Champagnerkorken und echte Tonerde aus dem Boden des Parks zum Einsatz. Am Nachmittag des 17. Oktober werden zum ersten Mal alle 42 Poller „besetzt“ sein. Dieser Sonnabend wird auch das Finale der diesjährigen Pollerschau sein. Die Künstler:innen möchten sie im nächsten Jahr – mit Förderung – fortsetzen.
„Poller up“: Einladung zum Gespräch
Seit dem 20. März 2026 waren und sind sie an Samstagen vor Ort. Sie bewachen ihre Kunstwerke selbst und nehmen sie am Abend mit nach Hause. Wann immer sie vor Ort sind, entwickeln sich mit Passanten und Passantinnen Gespräche über Ost und West, die Mieten oder den Umgang mit dem öffentlichen Raum. Genauso verstehen sie ihre Intervention: als Einladung, miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht wenige Gäste haben zuvor die nahe Mauer-Gedenkstätte besucht.
Entlang der Bernauer Straße stand die Mauer. An der Mündung der Oderberger Straße gegenüber, wo heute bis in den Herbst hinein Erdbeeren verkauft werden, befand sich die Todeszone zwischen den Berliner Sektoren. Die Oderberger Straße war Hotspot der Ost-Berliner Kunst-Avantgarde. Wolfgang Krause lebt und arbeitet seit 1975 hier. Seine Galerie O zwei, die er 1991 in der Oderberger Straße gründete, diente als Vernetzungs-Zentrale. Die Kunst spielte stets draußen. In künstlerischen Projekten reflektierte Krause die Entwicklung dieses Stadtteils, in den 1990er- und Nuller-Jahren gemeinsam mit Studierenden der Kunsthochschule Weißensee, an der er Lehraufträge und eine Gastprofessur innehatte. Die am Poller-Projekt beteiligten Künstler:innen haben bei ihm studiert. Ein Künstler seiner Generation dagegen ist der Zeichner und Maler Frank Diersch. Er bringt zum Finale seine Plattensammlung mit, West-Vinyls aus Ost-Zeiten. Die Poller-Deckel haben exakt den Durchmesser einer Langspielplatte.