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Die Rohkunstbau31 überzeugt mit Gegensätzen

Schlossgeister, Strukturwandel und ein Blick nach vorn: Der Berliner Kurator Christoph Tannert richtet erneut die Ausstellung „Rohkunstbau“ in der Lausitz aus
Text: Katrin Bettina Müller
Veröffentlicht am: 31.07.2026
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Verein der Freunde des Rohkunstbau e.V.; Erez Israeli: Schädel, 2026, Styropor, rumänischer Wollteppich, Wolle Schädel: 120 × 90 × 85 cm, Zwei Quasten, ausgelegt, je ca. 250 × 35 cm © , Courtesy the artist Foto: Waldemar Brezinski

Viele Jahre fotografierte Christina Glanz in der Industriestadt Lauchhammer. In schwarzweißen Bildern hielt sie fest, wie in den 1990er-Jahren Stillstand und Abriss in Stahl- und Kohlewerke einzog. Mächtige Hallen stehen leer, Arbeiter sehen über verschränkte Arme in die Kamera. In 70 Dias erzählt Glanz eine Geschichte von Stolz und Verlust, Identität und Veränderung.

Zu sehen ist das jetzt im Schloss Altdöbern, etwa 35 Kilometer von Lauchhammer entfernt, in der Ausstellung „Rohkunstbau31“. Auch dieses Kunstprojekt entstand in den Jahren nach der sogenannten Wende. 1994 in Groß Leuthen gegründet, tourte „Rohkunstbau“ lang durch Brandenburg, machte nicht selten in leeren Schlössern Station, seit 2022 in Altdöbern. Zum zweiten Mal nacheinander ist Christoph Tannert, der in Berlin lang das Künstlerhaus Bethanien leitete, der Kurator. Jeweils eine Arbeit präsentiert er in den Räumen des Schlosses, von denen viele im Zug der Schlosssanierung wieder mit prächtigen Wandbildern ausgestattet sind.

Geschichten davon, warum sich Ostdeutschland abgehängt fühlt

Wie sich Ostdeutschland abgehängt gefühlt hat in den letzten Jahrzehnten, ist nicht zuletzt mit der Geschichte des Kalten Krieges und der geschürten Opposition zwischen Ost und West verknüpft. Von der erzählt der belgische Künstler Johan Grimonprez in der Videoarbeit „Dial H-I-S-T-O-R-Y“ von 1997, zusammengesetzt aus Archivmaterial über Flugzeugentführungen, alten Propagandafilmen, Sicherheitstrainings (gehen Sie unter den Tisch, wenn eine Atombombe fällt). Die Bilder sind durchdrungen vom Katastrophischen, aber auch von der Beschwörung uneinlösbarer Versprechen, Schutz vor dem Schrecklichen zu bieten.

Auf der einen Seite schaut Christoph Tannert danach, „was die Kunstlandschaft hervorbringt“ und folgt dem Eigenwilligen in der Kunst. Auf der anderen Seite nutzt er die unterschiedlichsten Verbindungen mit dem Ort der Ausstellung. Es macht Spaß, danach zu suchen. Im grünen Saal etwa zeigen bemalte Wandpaneele liebliche Szenen vom Leben auf dem Land. Fast auf jeder Tafel ist ein Fass zu sehen, für Wein, für Heringe, als Spieltisch. In diese Idylle hinein hat er eine Skulptur von Paloma Varga Weisz platziert. Die ungarisch-deutsche Künstlerin beschäftigt sich mit handwerklichen Traditionen und Arbeitsbedingungen. Ihre Skulptur besteht aus einem Fass, aus dem magere Kinderbeine ragen. Kinder mussten früher in Weinfässer kriechen, um sie zu säubern. Doch neben dieser sachlichen Seite wirkt die Skulptur auch surreal und unheimlich.

Schöner Zeitvertreib und ästhetischer Überfluss auf der Rohkunstbau31

Das spielerische Element kommt nicht zu kurz in der Ausstellung. Jörg Mandernach arbeitet mit Silhouetten: Er lässt Schatten über animierte Bilder laufen, sodass die Formen sich überlagern, Menschen, Tiere, Pflanzen und Insekten sich ineinander verwandeln, auseinander hervorkriechen, zu Staub zerstieben und neu zusammensetzen. Das ist ein schöner Zeitvertreib. Auch Erez Israeli ist dabei (Foto), der einst ein Mural an das Künstlerhaus Bethanien malen ließ.

Das kleine Schloss selbst lebt von der Lust am ästhetischen Überfluss und der Repräsentation. Auf diese Sprache lassen sich nicht wenige der Kunstwerke ein. Aber die dunklen Keramikbüsten von Anne Wenzel wirken wie verbrannt und zerschossen, die Gesichter erinnern an Opfer des Krieges. Der Heilige Georg, den der tschechische Künstler Andros Foros im Gartensaal aufgestellt hat, ersticht einen Drachen mit Kinderköpfen. Das Niedliche und das Grausame wohnen hier so eng beieinander wie im Comic.

Schloss Altdöbern Am Park 3, 03229 Altdöbern, Fr 13–18, Sa/So 12–18 Uhr, 13/7 €, Familien: 23 €, bis 12 J. Eintritt frei, bis 1.11., Infos online


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