„Shifting Weathers“: Die Villa Heike schaut aufs Wetter

Die Villa Heike liegt im ehemals von dem sowjetischen Geheimdienst und später von der Stasi gesperrten Areal in Hohenschönhausen. Das Gebäude ist über 100 Jahre alt, es wurde vor dem Ersten Weltkrieg mit mächtigen dorischen Säulen für den Maschinenbaufabrikanten Richard Heike errichtet. Nun bespielt der 2025 gegründete Villa Heike Kunstverein das Erdgeschoss mit der Schau „Shifting Weathers“, an der sich drei Künstler und Künstlerinnen beteiligen.
Kuratorin Sarie Nijboer geht es dabei um die Beziehungen zwischen Klima, Wetter und Mensch. „Übers Wetter sprechen wir ja immer. Klima ist auch ein sehr präsentes Thema, aber da gibt es diese Trennung zwischen denen, die den Klimawandel als reale Gefahr sehen, und denen, die das leugnen. Kunst hat die Möglichkeit, noch mal ganz anders über solche Themen zu sprechen“, sagt die Kuratorin aus den Niederlanden.
Klimawandel-Szenarien: Mal dystopisch, mal sarkastisch
Gemäß dem Schwerpunkt des Kunstvereins, Verfahren technischer Bildgebung vorzustellen, greift der brasilianische Künstler Luiz Zanotello in seiner Installation „Tempo-imagem“ auf Echtzeitbilder von Wetterkameras zurück. Die Niederländerin Jasmijn Visser entwickelte mit dem Game-Spezialisten Ingmar König ein interaktives Videospiel, in dem das Wetter plötzlich fehlt. Szenarien von Klimawandelfolgen werden durchgespielt, nicht immer nur dystopisch, auch manche Prise Sarkasmus stecke drin, sagt Kuratorin Nijboer.
Susanne Kriemann aus Berlin wiederum spürte mit ihrer Kamera der Verbreitung von Mikroplastik in Wüstenlandschaften nach. Sie fand bei Recherchen in Saudi-Arabien neben archäologischen Fundstücken auch weggeworfene Kleidung von Nomaden, wie Nijboer berichtet. Bestanden die Kleidungsstücke früher aus natürlichen Materialien und zersetzten sich mit der Zeit, so bleiben von den aus Erdölprodukten gefertigten Jacken und Hosen unzählige Mengen Mikroplastik zurück.
Die Villa Heike enthält neben dem Präsentationsraum auch ein knappes Dutzend Ateliers. Fünf Bauherren um den Architekten Christof Schubert erwarben 2015 das zu diesem Zeitpunkt verwahrloste Gebäude und schufen hier ein einzigartiges Büro- und Kunsthaus. Der Kunstraum erhält 2026 und 2027 die Basisförderung für Projekträume. Zur besseren Verankerung in der Nachbarschaft will der Verein nun auch Künstler und Einwohner:innen der Umgebung ansprechen: über einen Open Call zu einer für Juni geplanten Ausstellung.