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Warum Tourismus so widersprüchlich ist

 Die Doppelausstellung „Wir kommen wieder“ in der Villa Oppenheim und dem Basement im Europa Center nimmt die Reiselust in den Blick. Es geht um West-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, um Souvenirs, Safaris und die Folgen des Urlaubs
Text: Charlotte Knörzer
Veröffentlicht am: 24.07.2026
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Foto: Oliver Möst
Ulrich Schreiber: Wohnwagen Nr. 4, 2026, Vierkantrohr 20 x 20 mm, gebogen, verschweißt, und Esther Ernst: Ansichtssachen, täglich von 2006 – 2017, Auswahl aus 3449 Tagebuchzeichnungen auf Postkartenrückseiten, Bleistift, Buntstift, Aquarell © Foto: Oliver Möst

Sehnsüchte von Tourist:innen sind das Thema einer zweiteiligen Ausstellung in Charlottenburg: Die Villa Oppenheim und der Kunstraum Basemen zeigen „Wir kommen wieder“. Beide Teile widmen sich dem Verlangen nach dem Unbekannten seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Dafür vereinen Kurator Oliver Möst sowie die kuratierenden Künstler:innen Flo Maak und Sonya Schönberger mit viel Fingerspitzengefühl dokumentarische und künstlerische Ansätze.

In der Villa Oppenheim erwartet Besucher:innen ein Zusammenspiel verschiedener Epochen: Eingebettet zwischen die Gemälde und Skulpturen der Berliner Sezession in der Dauerstellung erzählt ein Audioguide auf Tonkassetten aus den 1980er-Jahren von West-Berliner Sehenswürdigkeiten, Videoaufnahmen zeigen Stadtrundfahrten im Reisebus nur wenige Jahre nach Kriegsende. Bereits 1947 wollte West-Berlin den Massentourismus wieder ankurbeln und warb mit dem Slogan „Berlin ruft – Berlin lebt“. Dabei inszenierte sich die westliche Stadthälfte in den kommenden Jahrzehnten als Gegenspielerin eines repressiven Ostens und rühmte sich mit modernen Luxushostels, Einkaufszentren und einem gehobenen Kulturangebot. Weniger glamouröse und alternative Lebensrealitäten fanden in dieser Erzählung kaum Platz.

„Wir kommen wieder“ zeigt eine riesige Postkartensammlung

Weitreichender gefasst ist das Thema der Kunstausstellung des kommunalen Kunstraums Basement im Souterrain des Europa Centers. Zwölf Künstler:innen stellen hier aus und verlassen dabei konzeptuell West-Berlin. Beispielsweise hat die Berliner Künstlerin Sonya Schönberger ein Tableau aus Souvenirs und Fotografien von ostafrikanischen Safaris aus den 1970er-Jahren geschaffen, aus Andenken eines West-Berliner Ehepaar an seine Afrikareise. Der Fokus des Paars lag auf den Tieren der Savanne. Die in der Schweiz geborene Künstlerin Esther Ernst hat auf rund 3.400 Postkarten ein Tagebuch geführt. Auf den Vorderseiten zeigt es begehrte Reiseziele wie europäische Hauptstädte und Häfen, rückseitig offenbaren sich intime Gedanken und Zeichnungen.

Mehrere Arbeiten thematisieren den sogenannten Erlebnistourismus, beziehungsweise Aktivurlaub. Inwiefern knüpfen der Wunsch, Gipfel zu bezwingen oder vermeintlich unbekannte Orte zu erschließen, an koloniale Fantasien an? Und können erholungssuchende Reisende ihre Fernreise mit dem heutigen Wissen über deren soziale und ökologische Folgen in Einklang bringen?

 Im Dialog beider Ausstellungsorte entsteht ein feinfühlig kuratiertes Panorama an Eindrücken, das Lust auf die nächste Reise entstehen lässt – neu gedacht.

Kunstraum Basement Tauentzienstr. 9–12, Charlottenburg, Mi–So 12–19 Uhr, villa-oppenheim-berlin.de, bis 11.10.
Villa Oppenheim Schloßstr. 55, Charlottenburg, Di–So 10–17 Uhr, basement-berlin.online,  bis 11.10.


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