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Gruppenausstellung

„Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ im Bröhan-Museum

Den Kuss in der Kunst, vom Jugendstil bis heute hat das Bröhan Museum ­untersucht – und dabei Schönheit, Symbolik und Drama gefunden

Römer + Römer / V. Weese, Berlin

Marina Abramović und ihr Partner Ulay pressen die Münder aneinander wie Ertrinkende, was sie eigentlich auch sind, denn der einzige Sauerstoff den sie bekommen ist der des jeweils anderen. Aufgelöst wurde diese Performance des radikalen Paares erst, als beide schon fast kollabiert waren, entsprechend ist das Videostill der Aktion jetzt völlig zu Recht im Themenraum „Todesküsse“ der Ausstellung „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ zu finden, ebenso wie Edvards Munchs „Vampyr II“, der die Todessehnsucht seiner eigenen Zeit spiegelt. Beide Arbeiten stehen für die gute Mischung, die die Kuratorin Anna Grosskopf aus zeitgenössischen Arbeiten und der Kunst des Jugendstil und Fin de Siècle zusammengestellt hat.

Dazu gehört auch Jean Lambert-Ruckis elegante Messing-skulptur „Le baiser“ von 1926, oder Juergen Tellers nicht ganz so sphärisches, aber ähnlich intensives Werk „Anne & Elisa No. 1“. In weiteren Räumen geht es um den Kuss als narzisstischen oder politischen Akt, dafür stehen einmal Bronzearbeiten von Erich Waegner vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie ganz aktuell Julie Nymanns Videostills „Kys / Kiss“.

Im politischen Bereich wird unter anderem die Videosequenz aus dem Inneren des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gezeigt, in der Männer sich, natürlich, küssen.
Weitere Themen sind der Kuss im Film oder als aus der Vernunft gelöste Obsession und Raserei. Und auch die Kussvariante ohne Partner wird durchgespielt, in „Lippenabdrücke“ geht es um die Stempel die dabei hinterlassen werden, gerne wie im Fall der Performance-Künstlerin Nezaket Ekici mit roter Farbe auf weißem Grund. Drei Tage lang beküsste sie Möbel, Wände und Fußböden, so dass ein ornamental anmutendes dreidimensionales Bild entstand. Der Kuss als Kunstmittel – in dieser Ausstellung kommt man diesem Thema einer eigentlich privaten Angelegenheit auf gut kuratierte Art und Weise näher. Und ist ein wenig erstaunt, dass es eine der ersten Werkschauen überhaupt zu diesem übergreifenden Thema ist.

Bröhan-Museum Schlossstraße 1a, Charlottenburg, Die–So 10–18 Uhr, bis 3.10

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