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Lesepaten machen Lust auf Geschichten und Sprache

Lesepaten

Wer Kindern gerne Geschichten vorliest, ist richtig beim Lesepatenprojekt des VBKI (Verein Berliner Kaufleute und Industrieller). Einmal pro Woche nimmt man sich dort als Lesepate zwei oder drei Stunden Zeit, geht in eine Kita oder Grundschule, manchmal auch an weiterführende Schulen, um mit einzelnen leseschwächeren Schülern abseits der Klasse Geschichten zu lesen und gemeinsam darüber zu sprechen.
2000 solcher Paten gibt es in Berlin, rund 10 Prozent Studenten und 70 Prozent Senioren – wie Marianne Beland, 64, die früher beim SFB die Abendschau moderiert hat und sich heute im Lesepaten-Projekt engagiert, bei einer fünften Klasse einer Moabiter Grundschule. Kürzlich war sie baff, weil ihre Patenkinder das Wort skeptisch nicht kannten, das in einer Geschichte vorkam. Dann hat sie sich die Zeit genommen, es ihnen anschaulich zu erklären – um den Sprachschatz und somit die Gedanken der Kinder zu bereichern. Inzwischen lesen ihre Patenkinder auch ihr gerne vor, etwa Detektivgeschichten, bei denen man durch Kombinieren am Ende selbst die Lösung finden muss. Am meisten Freude verspürt Marianne Beland, wenn „ihre“ Kinder etwas verstanden haben, denn sie möchte etwas von dem weitergeben, was sie weiß und kann. Das motiviert viele Paten. Vielleicht sagt ja schon bald eines der Kinder: „Da bin ich skeptisch.“
Kirsten Rosenstiel, 34, liest mit Zweitklässlern im Wedding. Letztens ging es um den Unterschied von Baum und Busch, den einige Kinder nicht kannten. Rosenstiel ging ans Fenster und zeigte ihnen die Büsche und Bäume draußen. So wurden aus Buchstaben-Monstern Bilder der Wirklichkeit. Manchmal kommen auch Sorgen der Kinder zur Sprache. Etwa die nahende OP der Mama eines Jungen. Mit großem Einfühlungsvermögen ist man da klar im Vorteil. Wer Lust aufs Projekt bekommen hat, kann sich bei Koordinatorin Karola Hagen melden. Und auch Schulen, die über 40 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund haben – das ist die Auflage.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Bürgernetzwerk Bildung

Mehr Informationen auf der Webseite des Bürgernetzwerks Bildung oder unter Tel. 72 61 08 56

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