Neuer Roman von Franziska Hauser: Theater und Traumata

Es gibt ein Video von der elfjährigen Franziska Hauser, die mit voller Inbrunst sagt: „Ich will Schriftstellerin werden!“ Das traute sie sich zunächst aufgrund einer Rechtschreibschwäche aber nicht zu, studierte Fotografie und arbeitete für ein Magazin. „Ich habe dann irgendwann gedacht: Scheiße, ich kann auch selber schreiben.“
Ihr Roman „Am Ende der Kleinigkeiten“ dreht sich um Irma, die in einer ostdeutschen Kommune aufwächst, mit einer aggressiven Mutter und ungeklärten Vaterverhältnissen. Sie flieht in die Großstadt – Berlin – und landet als Schauspielerin am Theater. Es geht um vererbtes Trauma, Tochtersein, Mutterwerden und Liebe. Viel von Franziskas eigner Geschichte steckt in Irma, die DDR zum Beispiel und das Verhältnis zur Mutter.
Auch das Theater als Spielort hat einen autobiografischen Hintergrund. Hauser hat lange in zwei Berliner Theatern als Assistenz für Bühnenbild gearbeitet, kennt die Intensität der Theaterwelt und die völlige Verausgabung für die Kunst dort, die auch im Roman verhandelt wird.
Wenn die Autorin selber Bücher liest, dann welche ohne Handlung. Manchmal sogar in der Markthalle Neun, dem einzigen Ort, an dem es Bergamotte zu kaufen gibt, aus der sie gerne Tee macht.
Berlin ist für sie aber langsam over: „Nach 50 Jahren Berlin kann ich die Stadt nicht mehr ertragen.“
Franziska Hauser „Am Ende der Kleinigkeiten”, FVA 352 S., 26 €
