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Der schnelle Literaturplaner für den Juli: Ostpol bis Wannsee

Neuer Roman von Yael Inokai, osteuropäische Literatur in und aus Berlin und kleine Verlage am Wannsee: unsere Tipps für Lesungen im Juli
Text: Claudius Kesseböhmer
Veröffentlicht am: 02.07.2026
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Yael Inokai stellt ihren neuen Roman „Die Auster“ vor © Foto: Jacintha Nolte

2.7. Ungeschönte Perspektiven: Frauen schreiben über das Leben

Der Titel trifft das Thema recht genau: Die Anthologie „Frauen schreiben über das Leben“ sammelt Texte von Autorinnen aus diversen Altersgruppen und Lebenssituationen, in denen die Frauen offen und ungeschönt ihre Perspektiven mitteilen. Drei der Schriftstellerinnen kommen an diesem Abend zusammen und stellen ihre Texte vor: Katharina Wojan bewegt sich zwischen Lyrik und Prosa, Ruth Kaiser betreibt neben ihrer Autorinnentätigkeit einen YouTube-Kanal übers Reisen und Olga Schierhorn, die 2024 den Preis der Bonner Buchmesse Migration erhielt, ist hauptberuflich Lehrerin.

Brotfabrik Caligariplatz 1, Weißensee, Do 2.7., 19.30 Uhr, 8/6 €


5.7. Osteuropäische Literatur in und aus Berlin: Ostpol

Ausgezeichnete Schriftstellerin beim Ostpol-Festival: Dora Kaprálová
Ausgezeichnete Schriftstellerin beim Ostpol-Festival: Dora Kaprálová Foto: IMAGO/HEN-FOTO

Festival-Auftakt: Dass Berlin im Osten liegt, erscheint beim Blick auf die Deutschlandkarte ziemlich offensichtlich. Und doch hebt das Literaturfestival Ostpol diesen Fakt besonders hervor. Denn es geht um den prägenden Einfluss, den Kulturschaffende aus Osteuropa schon immer auf Berlin ausübten – und es auch weiterhin tun. Ab dem 5. Juli holt Ostpol für eine Woche Autor:innen wie Viktor Jerofejew (Russland), Katja Petrowskaja (Ukraine) und Eugene Ostashevsky (Russland/USA) auf die Bühne. Zu Gast beim Festival ist auch die in Berlin lebende Schriftstellerin Dora Kaprálová (Tschechien), die kürzlich auf der Warschauer Buchmesse mit dem diesjährigen EU Prize for Literature geehrt wurde. Dazu kommen Veranstaltungen aus der jiddischen Kulturszene Berlins, eine polnische Jazz-Performance und ungarische Lyrik. Viele der Events laufen mehrsprachig ab.

Maschinenhaus in der Kulturbrauerei Knaackstr. 97, Prenzlauer Berg, So 5.–So 12.7., Programm hier


Die Vielen von der Tankstelle: Das Sommerprogramm der Reformbühne Heim & Welt

Den Sommer über findet die „an jedem gottverdammten Sonntag“ diensthabende Lesebühne im Prenzlauer Berg unter freiem Himmel statt, an der zur Eventstätte umfunktionierten FIT Tankstelle. Jeweils um 19 Uhr bekommt die Stammbesatzung des Lesebühnenkollektivs (Heiko Werning, Ahne, Frank Sorge, Spider, Falko Hennig und Susanne M. Riedel) Unterstützung von einem Doppelact aus Autor:in und Musiker:in. Im Juli sind unter anderem Lea Streisand, Pankow-Sänger André Herzberg, die Songwriterin und Chorleiterin Benadette La Hengst und Mia Pitroff mit von der Partie.

FIT – Freie Internationale Tankstelle Schwedter Str. 262, Prenzlauer Berg, So 5., 12., 19., 26.7., 19 Uhr, 12/5 €


9.7. Gemeinsame Textarbeit: Treffen sich zwei Lyrik­kollektive

Experiment Laurence Ermacova und Neïtah Janzing sind Teil des U8 Kollektivs, bei dem es um mehrsprachiges und öffentliches Schreiben geht; Johanna Hühn und Manuel Irmey gehören zu Das ad hoc, das sich Solidarität und gegenseitige Unterstützung auf die Fahne schreibt. Die vier Dichter:innen erarbeiten einen Text, den sie gemeinsam vortragen. Bei „Im Wir, auf Umwegen, unter Ab-Zweigen“ sind Um- und Irrwege quasi vorprogrammiert, kreatives Chaos kann aber auch Spaß machen. Im Anschluss sprechen sie über ihre kreativen Prozesse, individuell und im Kollektiv.

Brotfabrik Caligariplatz 1, Weißensee, Di 9.7., 19.30 Uhr, 6–8 €


10.7. Elf Autorinnen: Schwindel

 In der Lettrétage geraten elf Autorinnen ins Schwindeln, und das in allen Definitionen des Wortes. Die Geschichten, die Samyra Hachmann, Alina Valerie Weinert, Olga Leise und ihre Kolleginnen bei der Premierenlesung der Buchstablerinnen vortragen, handeln von Figuren, die lügen, taumeln, oder sich einer durchfeierten Nacht hingeben. Musikalische Untermalung kommt vom Berliner Komponisten und Pianisten Felix Römer, der mit seiner Vorliebe für Improvisation auch im allgemeinen Schwindelgefühl mithalten kann.

Lettrétage Veteranenstr. 21, Mitte, Fr 10.7., 19.30 Uhr, Eintritt auf Spendenbasis


11.7. Literatur mit Wasserblick: Kleine Verlage am großen Wannsee

Gartenmesse Zum mittlerweile 21. Mal versammelt das Literarische Colloquium mehr als 40 Verlage zur Gartenmesse, die ihr aktuelles Programm und lesende Autor:innen mit in den Garten der Wannseevilla bringen. Das Wetter war über die Jahre trotz des eigentlich sommerlichen Veranstaltungstermins mal so und mal so und dann wieder ganz anders, aber die kleinen Verlage haben oft genug bewiesen, dass sie zur Not auch dem großen Regen trotzen können. Dann wird eben eine Plane über den Stand geworfen. Also versuch es gar nicht erst, Petrus! Auf der Bühne lesen unter anderem Marion Kraft, Tomer Dotan-Dreyfus, Ahne, Dora Kaprálová und Tobias Bamborschke. Letzterer lässt im Anschluss an die Lesungen gemeinsam mit Max Bauer, seinem Bandkollegen von Isolation Berlin, den Nachmittag musikalisch ausklingen.

Literarisches Colloquium Berlin 
Am Sandwerder 5, Wannsee, Sa 11.7., 14 Uhr, 9/5 €, bis 14 J. frei


23.7. Ermittlungen an der Austernbar: Neue Roman-Perle von Yael Inokai

Noch vor einigen Jahren leitete Yael Inokai die Autor:innenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums, jetzt ist die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin mit ihrem neuen, vierten Roman „Die Auster“ wieder als „normaler“ Gast im Haus. Das Buch behandelt den gewaltsamen Tod eines reichen Geschäftsmannes und die Folgen, denen sich seine altgediente Putzfrau ausgesetzt sieht. Die Spuren führen in die titelgebende Austernbar des Luxuskaufhauses, die Kluft zwischen arm und reich durchzieht den Roman. Die gebürtige Schweizerin Inokai, die seit Langem in Berlin lebt, spricht über ihre neueste Perle mit Deutschlandfunk-Redakteurin Lara Sielmann.

Literarisches Colloquium Berlin Am Sandwerder 5, Wannsee, Do 23.7., 19.30 Uhr, 9/5 €


30.7. Schweiz am See: Das helvetische Fest

„Hopp Schwiiz“ zum Monatsausklang: Wie jedes Jahr feiert das Literarische Colloquium einmal im Sommer die Schweizer Literatur und hat dafür zwei helvetische Autor:innen mit aktuellen Texten eingeladen. Julia Webers Roman „Weil ich Ruth bin“ erzählt von einer jungen Frau, schon unter übernatürlichen Umständen geboren, die Menschen und Tiere wie magisch anzieht. Schon Webers Debütroman „Immer ist alles schön“ wurde 2017 hochgelobt und ausgezeichnet. LCB-Stipendiat Béla Rothenbühler hat derweil seinen zweiten Roman „Polyphon Pervers“ im Gepäck, der im vergangenen Jahr erstmals auf Hochdeutsch erschien. Darin machen zwei Theaterproduzentinnen ihre Schweizer Kleinstadt zum kulturellen Hotspot. Das Berner Musik-und-Text-Duo Fitzgerald & Rimini beschließt den Schweizer Abend am Wannsee.

Literarisches Colloquium Berlin Am Sandwerder 5, Wannsee, Do 30.7., 19.30 Uhr, 9/5 €


Juli 2026 in Berlin

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Mehr Literatur in und aus Berlin

Die neue Folge des tipBerlin-Podcasts Literaturkapelle ist raus: ein wilder Ritt durch die Nullerjahre mit Jens Balzer. Neues Essay: Alice Hasters über „Anti-Opfer“, Social Media und Post-Hoffnungslosigkeit. Ein Gespräch über eine legendäre Berliner Gang: Muzaffer „Muci“ Tosun war Mitbegründer der 36 Boys. Paul Christoph Gäbler ist Autor des Buches „36 Boys – Wie eine Kreuzberger Gang zur Legende wurde“. Ahne legt seinen ersten Prosa-Band mit Storys seit zehn Jahren vor, steht seit 30 Jahren auf Berliner Lesebühnen und hat einen direkten Draht zu Gott. Wir sprachen mit der Lesebühnen-Legende über sein neues Buch „Stabil im Bus“. Mehr Texte findet ihr in unserer Literatur-Rubrik. Live dabei sein: Lesungen, Vorträge, Buchpremieren und mehr – das Literatur-Programm.

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