Biografie: Bastienne Voss würdigt den Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase

Im Jahr 2005 hatte der Autor dieses Textes das große Vergnügen, Wolfgang Kohlhaase anlässlich des Filmstarts zu „Sommer vorm Balkon“ zu einem zweistündigen Interview zu treffen. Da saß er im Einstein Unter den Linden und erzählte mit Verve. 2022 ist der wichtigste Drehbuchautor der deutschen Filmgeschichte mit 91 Jahren gestorben. Die Schriftstellerin, Schauspielerin und enge Vertraute Bastienne Voss hat nun eine Würdigung Kohlhaases vorgelegt, die diesem vielseitigen Mann durchaus gerecht wird.
Chronologisch skizziert sie Leben und Schaffen des 1931 in Adlershof geborenen Kohlhaase, von der Kindheit während des Krieges mit Bombenalarm während des Kinobesuchs, von den ersten Versuchen als Autor bis zu seinen epochalen Drehbüchern – von „Berlin – Ecke Schönhauser“ über „Ich war neunzehn“ bis zu „Die Stille nach dem Schuss“, „Solo Sunny“ und „Sommer vorm Balkon“. Dabei lässt sie neben vielen Weggefährten, von Konrad Wolf über Volker Schlöndorff – von ihm stammt das Vorwort – bis zu Andreas Dresen, klugerweise vor allem Wolfgang Kohlhaase selbst zu Wort kommen, der nie um einen klugen Spruch verlegen war. So taugt diese Biografie ein stückweit auch als Ratgeber für angehende Drehbuchschreiber. Denn ein Skript sollte sich „zwischen Poesie und Gebrauchsanleitung bewegen“. Gegen Ende zitiert die Autorin etwas zu ausführlich aus Filmen wie „Als wir träumten“ oder zuletzt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Dennoch man spürt in jeder Zeile die Bewunderung und den Respekt der Biografin.
