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Wie Pubertät, nur anders

In „Peri Meno“ zeichnet sich die Berliner Illustratorin Rinah Lang mit Wissen und Witz durch die Wechseljahre. Ein unterhaltsamer Appel an Selbstermächtigung und Sichtbarkeit
Text: Ina Hildebrandt
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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Rinah Lang arbeitet als Illustratorin für Magazine, Zeitungen und Bücher. In „Peri Meno“ nimmt sie kein Blatt vor den Mund Foto: privat 

Wenn der Schlaf immer kürzer wird und die persönliche Zündschnur auch, die eigene Stimmung ins Bodenlose fällt und das bisherige Lebenskonzept gleich mit, wenn Hitzewallungen und Brain Fog regelmäßige Begleiter werden, dann kommen viele Frauen ins Schleudern. Dabei sind sie nicht aus der Spur geraten, sondern Hauptfigur in einem sehr eigenwilligen Kapitel ihres Lebens: der Menopause.

So eine Frau ist die Protagonistin in der autobiografischen Graphic Novel „Peri Meno“ von Rinah Lang. Die Berliner Illustratorin hat aus diesem Lebenskapitel gleich ein ganzes Buch gemacht und ein wunderbares Debüt vorgelegt, das klug recherchiert, persönlich erzählt und visuell stark ist.

Dabei galten die Wechseljahre, also die hormonelle Umstellung um die letzte Periode, die Frauen meist zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig erleben, vor allem als medizinisches Thema und ein dürftig erforschtes noch dazu – selten als erzählenswerte Lebensphase. Erst seit den 2020ern machen sich Frauen öffentlichkeitswirksam daran, dieses Tabu des weiblichen Körpers aufzubrechen: Die US-amerikanische Gynäkologin Sheila de Liz klärt publikumswirksam in Talkshows auf und Ökonominnen publizieren zu
wirtschaftlichen Folgen der Menopause.
Hollywood-Stars wie Halle Berry sprechen unverblümt über schmerzvolle Scheidentrockenheit, hierzulande hat die Autorin Stefanie de Velasco ihre Wechseljahre literarisch verarbeitet und mit „Mein neues altes Ich“ bringt die norwegische Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen im März einen Dokumentarfilm über die Menopause in die Kinos.

 Foto: Carlsen Verlag GmbH / Rinah Lang

Zeichnen gegen das Schweigen

In bester Gesellschaft befindet sich also auch Lang, die ziemlich ahnungslos war, als bei ihr vor etwa fünf Jahren die Perimenopause einsetzte, also die Übergangszeit vor der letzten Regelblutung. Plötzlich bestimmten lange Phasen von Schlaflosigkeit und Selbstzweifel ihren Alltag. „Als klarer wurde, dass das hormonelle Gründe hat, wurde mir bewusst, dass ich überhaupt nicht auf die Wechseljahre vorbereitet bin. Absurd!“ Empört über die mangelnde Aufklärung, aber auch neugierig, warum das so ist, begann sie bei Fachleuten ebenso wie im eigenen Umfeld zu recherchieren. Ihr Fazit ist ernüchternd und bezeichnend zugleich: über die Menopause wird kaum gesprochen.

Zufällig hörte sie vom Berliner Arbeitsstipendium für Comics und sah eine Chance, dem entgegenzuwirken. „Wenn ich weiß, was hormonell bei mir los ist, kann ich viel besser damit umgehen. Das heißt auch, alles, was ich rauskriege, kann auch noch jemandem anderes helfen. Ich wo…

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