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Dichter dran als Spion: Neuer Roman von Kristof Magnusson

Bestseller-Schriftsteller Kristof Magnusson entfacht in seinem leichthändig erzählten neuen 90er-Roman „Die Reise ans Ende der Geschichte“ bei einem Lyriker die Agentenlust.
Text: Erik Heier
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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Kristof Magnusson im Berliner Hotel Sheraton Hotel Esplanade: Darauf einen Negroni. Foto: Jana Vollmer 

Sind Dichter die besseren Spione? Eine kühne Frage. Sucht Kristof Magnusson etwa eine berufliche Alternative zum Schriftstellertum?

Im neuen Roman des Bestseller-Autor, „Die Reise ans Ende der Geschichte“, rekrutiert Dieter Germeshausen – ein BND-Mann, den Gedichte „einen Scheißdreck“ interessieren – den jungen, weltbekannten Lyriker Jakob Dreiser – auf einem Empfang der russischen Botschaft in Rom. Der Roman spielt in den 90er-Jahren, der Eiserne Vorhang ist Altmetall. Weshalb sich Germeshausen seinerseits karrieretechnischen Unabwägbarkeiten ausgesetzt sieht. Insgeheim war er bislang auch für den sowjetischen KGB tätig.

Magnusson hat für das Gespräch die Bar in der Lobby des Sheraton Hotel Esplanade am Lützowufer vorgeschlagen. Er mag den Charme von Hotelbars. Den 90er-Flair auch. Außerdem serviert man hier Negroni. Der rötliche Cocktail ziert das Buchcover, wird im Roman gern genossen. Und haut Germeshausen gleich in der Einstiegsszene aus den Socken. Gift in Kasachstan.

Nun schreibt Magnusson nicht nur irre lustige Bücher und Bühnenstücke („Männerhort“). Seine Romane sind auch exzellent recherchiert. Für seinen „Arztroman“ (2014) über eine Berliner Notfallmedizinerin fuhr er tagelang in einem Rettungswagen mit. Sein neues Buch ist beachtlich durchgeknallt, ein rasanter Abenteuerroman, großer Spaß. Und überall Schlapphüte.

Hat er also ein Praktikum beim BND gemacht? Spoiler: Nein, hat er nicht. Seine Fantasie reicht verdammt weit.

Magnussons allererster historischer Roman spielt in den 90ern

Für seinen allerersten historischen Roman verfiel Magnusson bewusst auf die 90er. Der Kalte Krieg: vorbei. Russland: irgendwie Freundesland. Alles wird gut. Ende der Geschichte eben. Francis Fukuyama. Ach ja.

Von wegen. Wissen wir ja leider. Heute.

Vor 25 Jahren ist Magnusson nach Berlin gezogen. Er findet, er habe sich mehr verändert als die Stadt. Im März wird er 50. Muss er wohl feiern. „Verdammt, jetzt gibt es keine Ausrede mehr!“

Ein Jahr hat er dank des Preises der Villa Massimo 2023 in Rom verbracht. Dort ging ihm auf: Als Schriftsteller könne man überall auftauchen, „vom Botschaftsempfang bis zur Sexparty, und keiner wundert sich“. Dichter dran eben.

„Die größte Fiktion“ bei Jakob Dreiser, sagt Kristof Magnusson, sei dagegen etwas anderes: „Dass man mit Lyrik weltbekannt wird!“

Darauf einen Negroni. 

Foto: Klett-Cotta

Kristof Magnusson: „Die Reise ans Ende der Geschichte Klett-Cotta, 288 S., 25 €


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