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Neuer Roman „Liefern“: Tomer Gardi dreht am Rad des Plattformkapitalismus

Tomer Gardi, Berliner Schriftsteller mit israelischen Wurzeln, zeichnet ein Sittengemälde des Plattformkapitalismus in seinem neuen Roman „Liefern“
Text: Philipp Wurm
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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Tomer Gardi. Foto: Jana Vollmer 

Ein seismisches Ereignis: Tomer Gardi, Kosmopolit mit israelischen Wurzeln, bereichert die deutschsprachige Prosa mit einem neuen Sujet. Der 51-Jährige, der in Neukölln sesshaft ist, kreiert Underdog-Literatur über den Plattformkapitalismus der 2020er-Jahre. „Liefern“ ist ein Episodenroman, der an mehrere Schmelztiegel in einer global vernetzten Welt führt – und dabei die struggles jener Lastenträger ausbreitet, die als „Rider“ auf Zweirädern den Gutverdienern die Bowl vor die Tür bringen: ob in Berlin, Delhi, Istanbul, Tel Aviv, Buenos Aires.

Dieser Typus sei ein literarisches Äquivalent zum Kriminaldetektiv, findet Tomer Gardi, ein Pfiffikus, der 2022 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat. Wie Sherlock Holmes und andere Spürnasen durchdringen diese agilen Gesellen auf ihren Touren nämlich die Innenleben vieler Milieus. Von Imbissküche bis Gated Community. Sie sind damit Außenseiter mit einer fast allmächtigen Erzählperspektive – im übertragenen Sinne.

Die Momentaufnahmen leuchten eine Klassengesellschaft mit technofeudalen Zügen aus. An Auslandsschauplätzen hat Gardi recherchiert. Fünf, sechs Wochen sei er jeweils vor Ort gewesen. Trotz des politischen Sprengstoffs ist der Sprachstil locker-leicht. Tomer Gardi liefert eben zuverlässig.Philipp Wurm

Tomer Gardi: „Liefern“  Tropen Verlag, 320 S., 25 €

„Liefern“ Tomer Gardi Foto: Tropen

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